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S.
Lieber Herr Doktor
ich, alter Mann, der nicht klagen dürfte, wenn sein Leben in wenigen Jahren abschließt (und auch beschlossen hat nicht zu klagen) empfinde es besonders schmerzlich wenn einer von seinen bühenden Jugend ihm mittheilt das Leben sei ihm unsicher geworden, einer von denen, die mein eigenes Leben fortsetzen sollten. Ich habe mich allmählich gefasst und erinnert, daß Sie trotz der vorhandenen bedenken ja noch alle Chancen für sich haben und nur auffälliger an die Unsicherheit erinnert worden sind, in der wir alle schweben und die wir so bereitwillig vergessen.
Sie werden jetzt nicht daran vergessen u das Leben wird, wie Sie schreiben,einen besonderen u erhöhten Reiz für Sie haben. Und im Übrigen werden wir hoffen, was der Zustand unseres Wissens uns ja ohne Sebsttäuschung gestattet. Ich halte natürlich das geheimnis wie Sie es gewünscht haben, stolz auf den Vorzug, den Sie mir geben. Es liegt aber nahe, wenn ich den Wunsch habe, Sie zu sehen, sobald es ohne Sie zu stören geschehen kann. Vielleicht zu Pfingsten. Sie werden schreiben ob es Ihnen recht ist.
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S.
Ich freue mich zu höhren daß der Plan zu Ihrer Arbeit Ihnen jetzt noch näher gerückt ist, will aber gleich alle Ihre anderen Fragen beantworten, die von Ihrem Interesse für alle Vorgänge unseres Vereins zeugen. Bjerre's Fall halte ich auch nicht mehr für eine Hy aber sie scheint mir die Bedeutung der Homosex. klar zu erweisen. Die Kranke entgeht der Paranoia, solange sie ein Stück Libido beim Manne unterbringen kann, verfällt ihr sowie sie ganz ans Weib gewiesen wird u wird durch die Herstellung der Beziehung zum Mann geheilt. Da Bjerre die eigentliche Elementaranalyse der Sexualität unterlassen hat muss er die Lücke im Verständnis durch etwas zuviel Phrasen auffüllen. --
Silberer ist ein feinsinniger Kopf, mit starkem Penchant zum Okkultismus, der auf seinem Wege die PA getroffen hat u sie nun für seine Lieblingsneigungen verwertet. Persönlich fällt er ganz aus dem Wiener Kreis heraus. Er ist Vollchrist, wohlhabend, sein Vater konservativer Landtagsabgeordneter, Sportsmann u Aviatiker.
Jung soll am 18. Sept an der Fordham Univ in New York einen Curs, diesmal in englischer Sprache, beginnen. Da er vorher seinen Militätdienst hat, bliebe für den Kongress nur der Termin Mitte August, gegen den ich mich aus gesund
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S.
heitlichen u Ferialmotiven gesträubt habe, so daß der diesjährige Kongress wahrscheinlich entfallen wird. Ich glaube, es wäre kein Verlust; alle zwei Jahre scheint günstiger. Ich bin mit Jung - u da bitte ich um ihre Diskretion - nicht mehr so zufrieden, wie ich früher hoffte. Er kümmert such um die Interessen des Vereins, wo sie nicht mit den eigenen zusammenfallen, zu wenig, versenkt sich ganz in seine Arbeit und tritt in unseren Organen kaum als Präsident auf, so daß die einzelnen Gruppen nicht von einenader erfahren. Dahinter steckt wol, daß er seinen Vaterkomplex gegen mich ausspielt, wozu ich gewiss keinen Anlass gegeben habe, u in weiterer Verfolgung träfe man wol auf den Einfluss einer Frau, nicht seiner eigenen. Aber ich bitte Sie behalten Sie das für sich ich hoffe auch einen schadlosen Ablauf der ganzen Störung.
Mit den einzelnen großen Männern, die Sie nennen, habe ich mich sehr wenig beschäftigt. Mit der ganzen Gattung auch nicht gerade ausgiebig. Mir kam immer vor, daß due Eigenmächtigkeit u das selbstverständliche Selbstvertrauen die unentbehrliche Bedingung dessen sei was uns dann, wenn es zum Erfolg geführt hat, als Größe
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S.
erscheint, u ich miene noch mann müsste Größe der leistung von Größe der Persönlichkeit scheiden.
Dr. Raab in Meran ist ein vornehmer Mensch u lieber Freund. Die Frau von der Sie schreiben ist seine Stieftochter, von etwas anderem Schlag. Ich kenne Sie wie die Mutter u habe immer gefunden daß den Frauen etwas wie sittlicher Ernst bei aller Güte u Liebenswürdigkeit abgeht. Aie sind wie in einem beständgien erotischen Rausch. Es ist aber sehr wol möglich, daß die trüber Erfahrungen ihrer Ehe ein Stück Ernsthaftigkeit bei der jungen Frau erweckt haben u würde mich sehr freuen zu hören, daß sie unter Ihrer Leitug etwas brauchbares geworden ist.
Imago ist erschienen, mein zweiter Aufsatz (über das Tabu) im dritten Heft, wird hoffentlich interessanter sein als der erste.
Und nun wünsche ich Ihnen die herzlichsten Wünsche zu Ihrer Wiederherstellung u zur Erhaltung Ihrer schönen männlich tapferen Stimmung, Ihnen u Ihrer lieben Pflegerin.
Ihre getreuer
Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Brückenstrasse 9
Sanatorium Bellevue
Kreuzlingen 8280
Schweiz
C17F24