• S.

    Lieber Herr Doktor

    Ich kränke mich, gestehen zu müssen, dass mir der Genuss Ihres heutigen ausführlichen Briefes durch die Unfähigkeit ihn zu lesen gestört worden ist. Ich errate wol Ihre Komplexe, kann aber nicht herausbrigen, wie Sie sich zu ihnen stellen, ganz so, wie es manchmal in der Analyse geht.

    Ich werde also antworten so gut es geht. Von Stuttgard weiss ich nichts. Jung hat noch nicht geschrieben, Ich hoffe, der perönliche Empfang war zumindest ein besserer. - Kurt R habe ich diese Saison bis zu seiner Erkrankung kaum gesehen, seither schubweise. An Kauders, u was er sonst angestellt hat, bin ich unschuldig; ich glaube, er hat ihn alle möglichen anderen Leute konsultieren lassen. Kurt hat sich diesmal länger als sonst gehalten. Vielleicht sieht er jetzt ein, dass es auch mit der sublimierten homosex. Freundschaft für ihn nicht geht. Er hat das ganze Jahr über seinen Herzensfreund gehabt u ist natürlich mit der Sinnlichkeit u ihrem Ausdruck in Onanie wieder nicht fertig geworden. Intellektuell

  • S.

    geht er rapide zurück.

    Sie hoffe ich im Sept. zuversichtlich zu sehen vor allem auf dem Kongress. Wenn Sie dorthin nicht kommen, werde ich so empfindlich. dass ich Sie auch in Konstanz nicht aufsuche. Es ist noch unbestimmt, welche Zeit ich in Zürich zubringen werde, warscheinlich die Woche nach dem Kongress.

    Im Juli gehe ich nach Karlsbad und dann nach Oberbozen an den Ritten. Ich Karlsbad hoffe ich allerlei niederschreiben zu können, was sich jetzt anzudeuten beginnt, alles in der Richtung der Libidotheorie.

    Ich grüsse Sie mit Frau und Kindern herzlich

    Ihr

    Freud