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14. Sept. 22.a

Lieber Herr Professor!

Dem heutigen Telephongespräch mit Anna muß ich sofort einen Brief nachschicken, da ich fürchte, daß sie manches nicht verstanden haben wird. In unserer Familie ist tatsächlich ein Todesfall vorgekommen, es handelt sich um einen Sohn eines in Berlin lebenden Vetters von mir, des auch Anna bekannten Mischa Eitingon. Der zwanzigjährige junge Mensch ist gerade am Mittwoch am Tage meiner Rückkehr aus Obersalzberg, genau an seinem zwanzigsten Geburtstage, an den Komplikationen einer Blinddarmoperation gestorben. Als ich ihn bei meiner Abreise zu Ihnen verließ, schien er außer Lebensgefahr zu sein; ich hatte darum auch nichts davon in Obersalzberg gesagt. Dieser Todesfall hat meine ganze Familie begreiflicherweise sehr aufgeregt, besonders Mirra wegen der Analogie mit ihrem eigenen noch kaum überwundenen Unglück,1 doch hat sie sich jetzt wieder etwas beruhigt. Ich sagte Anna, ich würde Ihnen sofort nach Hamburg schreiben, und dieses „schreiben“ hat sie als „reisen“ verstanden.2 Ich kann mich jetzt natürlich nicht von der Stelle rühren und habe auch gar keinen Anlaß zu irgendwelcher Reise. Wir haben hier alle Hände voll zu tun und freuen uns, Sie bereits auf dem Weg zu uns zu wissen. Mit den herzlichsten Grüßen an Sie und Anna, ebenso auch an Max und Kinder

Ihr Max Eitingon

 

a Masch. bis „Kinder“ in Briefausleitung. Luftpostpapier mit aufgedruckter Adresse, ohne Namen.