S.

[Briefkopf Raigorodsky]a Paris, 10. XI. 22

Lieber Herr Professor,

herzlichsten Dank für die sizilianischen Winke, wir werden sie nützen. Inzwischen genießen wir Paris weiter, unterbrechen am 15. d. M. unseren hiesigen Aufenthalt, um für acht Tage nach London zu gehen.b Unsere dortige Adresse ist:

                             M. E. c/o S. Kallin

                             22 Belsize Park Gardens

                             Hampstead, London NW.

Jones werde ich natürlich sehen und mir auch, wenn’s irgend möglich ist, Klarheit zu verschaffen suchen, wie es mit der Press steht.1

Gestern früh ist mir ein Exemplar derc an diesem Tag erschienenen und bereits in sehr zahlreichen Schaufenstern ausgestelltend ‚Psychopathologie de la vie quotidienne‘ in die Hände gefallen. Sie präsentiert sich sehr gut! Der Verleger hat Ihnen doch sicher das Buch schon geschickt? Brauchen Sie noch Exemplare davon?

Nicht zufällig wohl steht am selben Tag in der ‚Republique française‘ (einer Tageszeitung) ein Brandartikel über ‚Freud et l’Éducation‘, in deme ein Professor Amar die Regierung aufruft, die Kinder vor der Psychoanalyse zu schützen. Er ist sehr zornig, der Herr Amar, und wird sicher viel dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf die Psychoanalyse zu steigern.

In welche Reihe von Contemporains man Sief hier aufgenommen hat, zeigt beiliegende Ankündigung.2

Lieber Herr Professor, eine Stelle Ihres Briefes hat mich besorgt gemacht, weil ich so gar nicht wußte, in welcher Richtung ich suchen sollte; lassen Sie mich wissen, welche Schwierigkeiten und ungelöste[n] Probleme in der Familie Sie meinten; wie geht es Martin, und was macht Anna? –

Haben Sie die Absicht, Frau Lowtzky nicht nach Wien kommen zu lassen? Dann müßte ich mich, weil sie zur Lou in die Analyse nicht will, darauf einrichten, sie zu nehmen, wenn ich zurückkehre. Ihre Anwesenheit in Berlin wäre mir der kleinen Pariserin3 wegen, die wahrscheinlich doch wieder zu mir kommt, ganz lieb. Falls Frau L. aber doch nach Wien geht, wird sich leicht ein andres Arrangement finden lassen.

Alles Gute Ihnen, lieber Herr Professor, grüßen Sie alle Ihrigen herzlichst von uns beiden.

Ihr Max Eitingon.

 

a Gedruckter Briefkopf: Leonide Raigorodsky, 91, rue de Rome, Paris.

b Eitingon fährt statt Punkt und neuem Satz mit einer runden Klammer und klein fort, bringt aber keine Schlußklammer.

c „ein Exemplar“ nachträglich eingefügt; „der“ korrigiert aus „die“.

d MS: erschienene – ausgestellte.

e MS: der.

f Im MS folgt: auf.