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S.
Semmering
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
28. 8. 24Meine liebe Jeanne
Es thut mir leid, dass Sie solche Erfahrungen machen mussten. Das ist wirklich eine unschöne Geschichte. Aber ich weiss, Sie waren nicht unvorbereitet u meine Sie haben ganz richtig reagirt. Man durfte nicht anders ohne sich zu entwürdigen, seine Unsicherheit gieng zu weit. Am Ende muss man auf unsere alte Rede vom "blessing in disguise" zurückkommen. Nebenbei kann die Altersweisheit auch nicht umhin, darauf hinzuweisen wie sehr die beiden Väter Recht hatten, Sie bei der Zurück¬haltung der bürgerlichen Moral zu erhalten.
Wenn Sie nun meinen Sie brauchen noch ein "Stückchen Analyse" um über die Enttäuschung schadlos wegzukommen, so werde ich's Ihnen gewiss nicht verweigern. Die Situation scheint ja auch viel günstiger da Ihrem Widerstand der Rückhalt an der nahen Liebes¬erwartung fehlt. Ich sehe nur manche Schwierigkeiten, die ich mit Ihnen besprechen will.
Erstens die Zeit: die paar Ferienwochen auf dem Semmering zu dieser Nachkur zu verwenden, hätte den unleugbaren Vorteil, dass Sie nicht in Wien zu weilen brauchten, wo die Sehnsucht nach einander vielleicht auf beiden Seiten wieder aufflammen kann. Es ist ja nichts so Unerhörtes, dass eine diffizile Verlobung nach einem Abbruch erst recht zu Stande kommt und das ist auch in Ihrem Falle auch [sic] nicht ausgeschlossen, obwol ich, die Reserve verlassend, offen sagen muss ich wünsche es nicht für Sie. Aber der
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S.
Sept ist leider nicht für Ihre Kur verwertbar. Um die Mitte des Monats kommt Prof Pichler zurück u dann bin ich darauf gefasst, jeden zweiten oder dritten Tag in Wien zu verbringen, da die Prothese nicht mehr passt u Korrekturen braucht, auch neue Bestrahlungen in Aussicht genommen sind (Mein Befinden hat sich unzweifelhaft sehr gehoben). Ich habe auch den einen Pat, den ich hieher mitgenommen, für die Zeit vom 15 Sept - 1 Okt frei gegeben.
Es bleibt also nur der Oktober in Wien. Da kommt dann die zweite, eine Geldschwierigkeit. Ich habe für den Herbst 4 Personen zu $ 20 aufgenommen u bin bereit eine von diesen für Sie zurückzustellen oder aufzugeben aber es ist dann nur billig zu verlangen, dass Sie in dasselbe Honorar eintreten, das mir die Stunde sonst gebracht hätte. Die Erhöhung würde gewiss auch abkürzend wirken und verhüten, dass Sie die Zeit mit fruchtlosem Sehnen nach den aufgegebenen Erwartungen verbringen. Dass Sie dann an demselben Ort sein werden wie er u sich wieder treffen können, ist eine Unannehmlichkeit, die man sich gefallen lassen muss.
Überlegen Sie sich's nun u lassen Sie mich bald wissen, wie die Entscheidung gefallen ist.
Ich bitte Sie, mich Ihren Eltern zu empfehlen u bin mit den wärmsten Wünschen für Ihr Wolbefinden
herzlich Ihr
Freud