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S.
14. 7. 1933
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Welche Erleichterung, Ihnen unter anderer Adresse schreiben zu können! Auch Sie müssen den Wechsel als Genuss empfinden. Dabei ist freilich noch die einzige Schönheit von Karersee. Irgendwie erinnere ich noch einen schmalen Weg zwischen dicken Moospolstern als etwas besonderes.
Was Sie von Sachs schreiben, stimmt ja ganz zu meinem Eindruck. Das Vulgäre, das ihm immer anhaftete, ist jetzt übermächtig geworden. Jetzt ist darüber noch eine Schicht Snobismus aufgetragen. Radó, gewiss so meschugge wie Sie ihn beschreiben, ist sicherlich der wärmere und zuverlässigere. Harnik, das wissen Sie, ist bereits in Bpest in einer Anstalt.
Wenig erfreuliches von uns zu berichten, der Sommer ist schlecht, das Haus, wenn das Wetter will, sehr heiss. (Ich unterbreche um einzuschalten, was ich eben von Martin gehört, dass Sachs dem Verlag eine Spende von £ 300 gemacht hat. Dies zu seinen Gunsten). Zuviel Krankheiten, z. Th. noch gar nicht abgelaufen. Ruth ist mit einer Operation am Cervix (z Glück gutartig) noch im Sanatorium, Ernstl hatte eine Mandelausschälung, nach einer Woche Nachblutung jetzt endlich
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S.
geheilt entlassen, Martin kämpft mit einer langwierigen Furunkulose, lag durch einige Tage zu Bett, Anna hat sehr unter der Ausmeisselung eines Zahnes gelitten, hat noch jetzt Knochenschmerzen u Temperaturen. Sie ist überhaupt so herunter, dass ich darauf bestehe, sie muss sich im August allen Verpflichtungen entziehen, endweder reisen oder sich in HRE. erstecken und für alle unerreichbar bleiben. Ich selbst hoffe im selben August keinerlei Stunden zu geben, es sei denn, dass mich die Prinzessin auf kurze Zeit besucht. Leider werde ich heuer nichts anderes zur Zeitausfüllung haben; ich wüsste nichts zu schreiben u bringe auch die Stimmung nicht auf.
Fo u Tattoun haben sich glänzend entwickelt, sind fast so gross wie ihre Mütter, sehr übermütig u stellen allerlei an. Ich hoffe, dass Sachs' Freundin Mrs Macpherson sie im Herbst übernimmt, denn wir können sie doch nicht behalten. Leider stört Jofi unser Thieridyll, die die arme Lün schlecht behandelt. Eine grosse Verlegenheit!
Politik erst nach den Hunden! Ruhe vorläufig. Wir dürfen annehmen, dass wir einem besonderen bodenständigen Fascismus entgegengehen, der nicht so brutal sein wird wie der deutsche. Ob es schön sein wird, in Wien zu leben? Ich bin gespannt darauf, von Ihren Plänen zu hören.
Herzl Grüsse an Alle!
Ihr Freud