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S.
8. 4. 1933
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Liebe Jeanne
Ich könnte Ihnen mehr berichten, wenn ich diesen Brief aufschöbe, aber eben ist Ihr Gruss aus Nordwijk angekommen und ich kann Ihnen zu einer Zeit schreiben, da ich sonst arbeite, denn die Jackson ist bereits auf Osterurlaub. Heute abds sollen Oli u Henny ankommen zur Besprechung über ihre Zukunft u morgen Sonntag soll ich den Dr Paret sprechen, der Nachrichten von Ernst bringt. Er ist jetzt aktiver Nazi, von der geschiedenen Frau hieher berufen worden.
Alle Fragen, die Sie sich und mir stellen, habe ich schon bei mir allein erwogen, um zum Schluss zu kommen, dass man in der gegenwärtigen Ungeklärtheit nichts entscheiden kann. Ich meine, Sie sollen jedenfalls nach Berlin zurückkommen, da Ihnen doch als Nicht-Deutschen nichts droht u Sie über Ihr Eigentum zu verfügen haben. Das Weitere hängt dann davon ab, ob das Institut gesperrt und die Analyse verboten wird und wie Hans die unheilschwangere Zeit verträgt, die keinem von uns gut thut. Und was dann ? Hält sich die Hitlerei und Sie haben doch einmal Ihr Loos mit den Juden geworfen, so sollen Sie mit den Kindern freilich nicht in D. bleiben. Zum Glück, dank dem alten Vater, sind Sie frei beweglich. Wo das Zelt aufzuschlagen und Arbeit zu finden, muss sich dann ergeben.
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S.
Wir halten an zwei Punkten fest, am Entschluss uns nicht wegzurühren und an der Erwartung, dass es bei uns nicht entfernt so werden kann wie in D. Wir sind auf dem Weg zu einer Diktatur der Rechtsparteien, die sich mit den Nazi verbünden werden. Alles eher als schön - aber Ausnahmsgesetze gegen eine Minorität sind Oester durch den Friedensvertrag ausdrücklich verboten, den Anschluss an Deutschl werden die Siegerstaaten nie zulassen und unser Pöbel ist ein Stück weniger brutal als der stammverwandte deutsche. Also haben wir Hohe Warte 46 von Mai an gemietet, wo wir Sie zuversichtlich erwarten. Wäre nicht Ihr berechtigtes Bedenken, wie Hans auf Wien reagiren wird, so läge die Lösung Wien für Sie sehr nahe.
Mir geht es körperlich nicht schlecht, Pichler lässt sich endlich bewegen, an der Prothese zu arbeiten anstatt am Gewebe. Meine Neuen sind interessant u befriedigend. Ernstl haben wir mit Bob, Mabbie u einem Lehrer über Ostern nach Sizilien geschickt, auch er ein schweres Problem! JoFi hat eine gefährliche Geburt gehabt, ist aber jetzt wol u stolz auf ihre zwei kleinen rassenähnlichen Kinder. Für Abraham's Familie werden wir etwas opfern müssen, Oph. benimmt sich sehr brav und eifrig. Für Sie alle herzliche Grüsse und bald wieder Nachricht von Ihnen.
Ihr Freud