• S.

    17. 4. 1932
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Mine liebe Jeanne

    Für alles danke ich Ihnen: Briefe, Nachrichten, Manuskr und Zigarren.  über das vorletzte kann ich Ihnen vielleicht nicht soviel sagen als Sie erwarten.  Das ist die Folge einer Eigentümlich¬keit, die jetzt schwer aufzulassen ist.  Eine ganze Weile, nachdem ich über einem Gegenstand gearbeitet, wird er mir fremd u wie unzugänglich.  Ich werde ja in den Sommerferien auf das zwischen uns bearbeitete Thema zurückkommen müssen.  Gegenwärtig habe ich mir von Ihrer Arbeit wenigstens einen Eindruck geholt.

    Das Günstige daran: mir ist der Reichtum an Ideen aufgefallen, die Sie mit Recht, meine ich, heranziehen.  Offenbar ist mit der Vorstellung der zwei Triebe, bes. des Todestriebs, theoretisch sehr viel zu machen; man muss es [?] nur ernsthaft nehmen u herausfinden, wie es anzupacken.  Die Idee, dass der Narzissm im Ich notwendig gebraucht wird, um die Selbstdestruktion zu neutralisiren, ist trefflich; Versuche ein solches Triebgleichgewicht zu verfolgen gewiss hoffnungslos.  Ich weiss nicht, wieviel ich mir davon im Sommer ausleihen werde.  Urteil über das Ganze habe ich derzeit keines, 

  • S.

    Einwendungen zwei.  Die erste betrifft die Darstellung, in der Neues u Bekanntes, Theoretisches u Beobachtung nicht klar genug geschieden sind; die zweite die Berechtigung des Titels, denn die Probleme passiver Zielstrebungen scheinen mir nur an einem Ende und nicht am wichtigsten berührt.  Sie sollten die Arbeit jedenfalls umschreiben u dabei vervollständigen.  Es ist gut, dass Sie von mir nicht mehr zu hören bekommen, denn in Dingen der Produktion soll man möglichst Beeinflussung [sic!] erfahren, höchstens Anregung u hie u da eine Mahnung.

    Wenn Sie wirklich Nachträge zu Ihrer Analyse brauchen so bin ich bereiter als Sie erwarten.  Im Sommer werde ich wahrscheinlich überhaupt keine Stunden haben u für den Herbst liegt keine neue Anmeldung vor.  Von meinen früheren Fällen werden vielleicht drei wieder kommen.  Es ist nicht zu verwundern, dass die Leute nicht mehr zu mir drängen.  Ich wollte nur, es könnte mir ganz gleichgiltig sein.

    Am Dienstag, wenn meine Frau zurück ist, erzält sie auch von dem Besuch bei Ihnen.

    Herzlich Ihr
    Freud

    P.S. Rundbrief gewiss erhalten!