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1. 2. 1933
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Meine und unser aller lebhafteste Sympathie aus Anlass der Hausepidemie. Es kann keine schöne Zeit gewesen sein, aber nach den Daten Ihrer Briefe war sie nur kurz und heute ist bis auf die überflüssige Rezidive der Kinder an Keuchhusten alles vorüber. Ich will Ihnen nun ausführlich mitteilen, was hier vorgeht, so dass Sie es nicht entbehren sollen, in Wien zu sein.
Das Wetter ist plötzlich warm geworden. Grippe ist überall, nirgends schwer. Ruth liegt noch mit Lungenherden, aber es scheint nichts Bedenkliches. Mark ist schon vorher mit einem riesigen Schnupfen in's Cottage-Sanatorium. Kris hielt sich schon für gesund, als sie durch einen nächtlichen Hochfieberanfall neuerdings in Anspruch genommen wurde. Über uns liegen zu Bett Bob, Miky und der amerikanische Gast. Eben habe ich gehört, dass eine Vorstandsitzung für morgen abgesagt wurde, wegen Erkrankung der Deutsch. In dieser Sitzung sollte der Vorstand des Lehrinstituts neu gewählt werden, da die Deutsch durch die fortgesetzten Angriffe von Federn zermürbt, zurückgetreten ist u Anna sich mit ihr solidarisch erklärt hat.
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(Federn scheint sich wirklich zu einem Grandpère terrible zu entwickeln). Das sind also die Fälle in unserem nächsten Kreis. Wir selbst stehen noch aufrecht da, wie lange noch? Ich bin von Pichler vorläufig entlassen, zB. auf den 28/2 bestellt worden, aber eine floride Naseneiterung mit Tubenkatarrh, die durch ihre Schwellungen alle Funktionen stört, hindert mich im Genuss der seltenen Urlaubsgelegenheit. Eitingon sah nicht gut aus, wir fanden ihn aber umgänglicher und gesprächiger als sonst. Bullitt ist wieder als Meteor erschienen. Wir hoffen, dass er bald eine einflussreiche Stellung haben wird, er ist sehr intim mit Roosevelt. Aber gesichert ist es noch nicht. Er meint, solange bei Ihnen Neurath das Auswärtige behält sind die inneren Vorgänge ohne viel Bedeutung. Wir sind alle gespannt darauf, was aus dem Programm des Reichskanzlers Hitler werden wird, dessen einziger positiver Punkt ja die Judenhetze ist. - Bernfeld scheint in seinem Privatleben weiterhin Dummheiten zu machen, Frau P. ist sehr interessant, ihr Charakterbild noch schwankend.
Ich wünsche Ihnen jetzt zur Erholung und -- Abwechslung eine schöne, gesunde Zeit.
Herzlich Ihr
Freud