• S.

    17. 1. 1932
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Ich hoffe, Ihr längeres Stillschweigen bedeutet nur, dass alles seinen erwünschten Gang weiter geht, dass Sie sich weiter befreit fühlen, Hans sich in der Kur tüchtig vorwärts arbeitet und die Kinder wolauf sind, und ich irre mich nicht in diesen Erwartungen?

    Eitingon ist seit gestern hier, um an der Reinmachung im Verlag Anteil zu nehmen.  Es scheint, dass uns dies gelungen ist, mit grossen Geldopfern allerdings, die nötig sind, um Storfer's persönliche Schulden zu bezalen und ihn zum Verzicht auf seine Stellung zu bewegen.  Seine Miswirtschaft hat alles ruinirt.  So wertvoll 

     

  • S.

    er als Redakteur und geistiger Leiter war, so unheimlich haben seine Narrheit Unordentlichkeit und Gross¬mannsucht geschäftlich gewirkt.  Martin ersetzt ihn als Geschäftsführer; erst wenn man Storfer los geworden ist, wird es sich zeigen, ob der Verlag einen Ausgleich vermeiden und in notwendiger Einschränkung weiter geführt werden kann.

    Gleichzeitig habe ich den Kampf gegen die bolschewistischen Angreifer, Reich, Fenichel, begonnen.  Meine nächste Absicht ist, die Redaktion zu wechseln u nach Wien zu verlegen.  Sagen Sie noch nichts darüber.

    Mein Magen ist wieder in Ordnung u damit mein Allgemeinbefinden gebessert.  Mit der Prothese kommt man nicht weiter.

    Eine kleine Arbeit über die Feuergewinnung in Imago I, (1932) wird Sie gewiss interessiren.

    Mit herzl Grüssen
    Ihr Freud