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S.
8. 1. 1933
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Als Ihr Brief eintraf, hatten wir eben, Anna und ich, über dasselbe Thema gegrübelt, das auch Sie beschäftigt: warum alle in Nähe befindlichen Menschen so meschugge sind. Keine sichere Lösung zu finden, aber es ist so. Das jüngst aufgetretene Paar, Ihr Freund Bernfeld u Suse P.K. scheint Hervorragendes leisten zu wollen. Ich sah B. vorgestern, die P. war gestern zuerst [?] da. Eine Gleichung mit zwei Unbekannten. Ihre Aussagen stimmen gar nicht zusammen, der Sachverhalt ist wahrscheinlich beiderseits nur als neurotisch zu begreifen, und ihre Analyse ist zu jung, um den Schlüssel zu verraten. Er hat sich bei mir sehr angeklagt, sein Handeln als niederträchtig verurteilt, scheint aber keinen Schritt nach der Richtung einer Korrektur zu thun. Ihre Äusserungen sind voll unzuverlässig, gekünstelt aufge¬bauscht, auf Gott weiss was für Effekte hergerichtet. Wie unter diesen Verhältnissen eine vernünftige Analyse durchgeführt werden soll, ist nicht zu sehen. Irgend ein Malheur wird gewiss dabei herauskommen. Für ihn kann ich derzeit nichts thun.
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S.
Meine Wunden verheilen allmälich, der Endeffekt scheint nicht sehr befriedigend. Weitere Zukunft unbestimmt. Martin haben Sie ja in Berlin gesehen, er war ganz bezaubert von Jette.
In Hans' Zustand haben wir wol beide zuletzt eine so gute Einsicht bekommen wie nie zuvor. Ich meine die line of conduct, die Sie sich vorgesetzt haben, wird sich als zweckmässig erweisen. Im Übrigen weiter rackern.
Nach drei Wochen Nebel und Glatteis haben wir gestern endlich einen Augenblick Sonne und Temperatur über ± 0 ° gehabt. Ich fahre fast täglich aus, ohne viel Vergnügen am Auswärtigen.
Ich höre sehr gern, dass es sich in der Berliner Praxis zu regen beginnt u grüsse Sie herzlich Ihr
Freud