• S.

    Grzg  12. 8. 1937
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Ich antworte Ihnen umgehend, ich kann es ja, bin in vollen Ferien.

    Froh, dass es Ihnen gut zu gehen anfängt.  Die Bäder sind kein leerer Wahn und es ist allgemeine Regel, dass eine solche Besserung sich fortsetzt und durchsetzt.  Sie werden Gastein lieb gewinnen.

    Die Komödie mit P. L. muss lustig gewesen sein.

    Uns geht es hier recht gut, nur dass alle herum krank sind.  Wir haben jetzt drei "Tanten" im Sanatroium Perchtoldsdorf.  Die unheimliche Erkrankung von Ditha Heller hat einen unerwarteten Ausgang in Genesung gefunden.  Anna geniesst ihre relative Ferialfreiheit.  Ich brauchte mich nicht zu beklagen bis auf die lokalen Beschwerden, die die Form wechseln, aber immer da sind.  Eine Fortsetzung der Mosesarbeit ist fertig geworden, wieder nur ein Bruchstück.  Der Rest wird nie geschrieben werden.  Der Garten ist schöner als er je war.  Lün ist faul, sehr liebenswürdig, und noch nicht frei von dem Eczem, das ihre Schönheit so verdirbt.

  • S.

    Ich sehe keine Abhaltung, Ihnen, wenn Sie wiederkommen, die paar Stunden zu geben, die Sie sich wünschen.  Ihre fortgesetzte Analyse muss Sie zu selten erreichten Höhen von Vollkommenheit bringen.

    Empfehlen Sie mich Ihrer Mutter, über die Sie so gute Nachricht geben können, und grüssen Sie die anderen Mitglieder Ihrer kleinen, aber interessanten Familie.

    Herzlich Ihr Freud