• S.

    9. 3. 1933
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Ja, Sie werden sehr gequält.  Ich verstehe alles, was Sie gegen Ihre besseren Wünsche sich eingestanden haben, und weiss, Ihr Benehmen wäre anders, wenn er ein schweres körperliches Leiden entwickelt hätte.  Eine psychische Erkrankung hebt leider die Identität der Person auf.  Ich sehe nicht, was Sie anderes thun können als ihn in eine ärztliche Behandlung zu drängen.  Wie weit Sie sich dabei der Drohungen bedienen dürfen, kann ich aus der Ferne schwer ermessen.  Der Moment und die Situation müssen es Ihnen eingeben.

    Sehen Sie aber, welch ungünstigen Einfluss selbst diese geringfügige Einmengung

  • S.

    von mir gehabt hat.  Nehmen Sie an, er wäre bei mir in Analyse; es gäbe unvermeidlich einen schweren Ausbruch.  Ich muss mich doch von ihm fernhalten.

    Und auch sonst -- man kann nichts anderes thun, als abwarten und sich freuen, wenn wieder ein Tag ohne Schreckensnachricht vorbei ist.  Mit unserem Kleinstaat Österreich ist irgend etwas Unheimliches los; man weiss natürlich nicht, was.  Von Bullitt habe ich kein Wort gehört, wahrscheinlich ist da wieder eine Hoffnung fehl gegangen.  Die Botschafterernennungen sind allerdings noch nicht publik.  Pichler arbeitet endlich wieder an der Prothese anstatt von [sic] mir, was bedeutend schmerzloser ist.  Ich grüsse Sie herzlich in allen Erwartungen,

    Ihr Freud