• S.

    7. XI. 1932
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Liebe Jeanne

    Ich höre natürlich auch lieber ungetrübt gute Nachrichten von Ihnen als solche wie im heutigen Brief, aber ich bin ganz Ihrer Meinung, dass solche Zwischenfälle dem Eindruck, dass eine grosse Veränderung zum Besseren erreicht ist, nicht widersprechen.  Man darf hoffen, dass dieser Rest abklingen wird.  Aus der Notwendigkeit der mütterlichen Einstellung zum Ehemann machen Sie sich nichts, die muss früher oder später kommen, in Ihrem Fall kam sie allerdings zu früh.

    Nach einer gar nicht angenehmen Woche von Grippe mit Fieber, Otitis, Paracentese [?] usw. nehme ich heute die Arbeit in eingeschränktem Verhältnis von 2-5 wieder auf.  Natürlich nicht sehr kräftig geworden.  Aber doch wieder menschlich.  Die anderen Affektionen im Haus waren zum Glück viel leichter.  Die Vorlesungen werden bestimmt vor Weihnacht erscheinen.  Wenn Sie wollen, erhalten Sie Correkturen schon vorher, aber es ist kein Vergnügen, etwas in solchen Fetzen zu lesen.

    Ich danke Ihnen sehr für die gewissenhafte Geldgebahrung durch diese vielen Monate.  Für den Rest von M 140 wird

  • S.

    sich die Verwendung leicht finden.  Ich habe noch gut die Hälfte der holl. Zigarren, habe angenommen, dass Sie sie gleichfalls aus meinem Guthaben bestrittenhaben.  Wenn Sie nun die Absicht haben,weitere zu beschaffen, so ist ja der Rest bereits untergebracht.

    Gegenwärtig ist meine Lust, Diskussionsabende abzuhalten, begreiflicher Weise nicht gross.  Warten wir die Zukunft ab.  Dass Sie so festen Fuss in der Arbeit gefasst haben, ist sehr schön.

    Ich grüsse Sie alle herzlich.
    Ihr Freud