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S.
16. 2. 1933
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Huh was für garstiger Brief! Bei Ihnen ist jetzt merklich viel zusammen gekommen, gewiss nicht alles so schlimm, wie es jetzt aussieht. Die Kinder werden bald gesund sein, auch Sie selbst, wenn Sie, was nicht so unmöglich ist, Keuchhusten miterworben haben, auch der Tumor imponirt mir nicht, aber das Andere hört sich unfreundlich an u fordert wieder Geduld und Hoffnung heraus. Verzeihen Sie mir den dummen Einfall, aber wäre es nicht eine zwar banale, aber doch pathogenetisch wünschbare Lösung, wenn der Rückfall von Hans nicht mit der eigenen Menopause, sondern von der Menstruationsstörung des netten Mädchens käme? Alles besser als ein endogener Prozess.
Ich kann Ihnen meine Teilnahme nicht besser bezeigen, als indem ich Ihnen so bald schreibe, Ersatz dafür, wie gern ich mit Ihnen sprechen möchte.
Anna ist nach verhältnismässig kurzem und leerem Elend hergestellt, - - -
17/2 das Haus ist sonst verschont geblieben, ich hatte prophylaktisches Chinin gefressen, sonst scheint es abzuflauen. Bullitt war auf zwei Tage bei mir, seither nichts von ihm gehört, also noch keine Entscheidung. Wie wir durch das Attentat [??] wissen, war Roosevelt auf Reisen. Ich bin sehr gespannt, der Ausgang der Analyse hängt zum Teil
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S.
davon ab, aber vielleicht auch ein Stück vom Schicksal Europas, denn B. ist der einzige Amerikaner, der etwas von Europa versteht und etwas für Europa thun will. Darum getrau ich mich nicht zu hoffen, dass er wirklich auf den Posten gestellt werden wird, wo er in seinem Sinn wirken kann.
Ihrer Vergleichung von Mann und Weib, was Unerfreulichkeit betrifft, -- stimme ich bei. Man kann das eine Geschlecht nur verachten, wenn man an's andere vergisst. Die Akten über die Paret sind noch lange nicht geschlossen, aber es steht doch fest, dass sie ein Wesen höherer Ordnung ist als die Personen, mit denen sie jetzt bei uns zusammenstösst. Verleumderische Übertreibungen, wie Sie [sic] sie jetzt gegen die Lisel annehmen, sind gar nicht in ihrer Art. Sie hat bei all ihren wahrscheinlichen Fehlern nichts von seiner Verschlamptheit. Wir werden ja sehen.
Schreiben Sie mir nur sehr bald wieder. Sie werden in Ihren gegenwärtigen Spannungen nicht viel andere "outlets" haben.
Mit herzlichen Wünschen
Ihr Freud