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S.
22. 2. 27
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Wundern Sie sich nicht, dass ich Ihren herzlichen "Geburtstagsbrief" so spät beantworte. Ich habe jetzt eine faule Zeit, thue überhaupt nichts gerne, was gewiss damit zusammenhängt, dass die neue Prothese noch immer nicht fertig ist und die alte mich garstig quält.
Ihr Töchterchen ist eine kleine beauty und hat mir gerade mit ihrem ernsthaften Ausdruck besonders gut gefallen. Eine Schönheit braucht nicht zu lachen, natürlich sieht die Mutter das Lachen gerne. Woher es kommt dass diese kleinen Wesen so reizend sind? Wir haben doch allerlei von ihnen erfahren, was nicht zu unseren Idealen stimmt, u müssen sie als kleine Thiere ansehen. Aber freilich erscheinen uns auch die Thiere reizend u weit anziehender als die komplizierten, mehrstöckigen erwachsenen Menschen. Ich erlebe das jetzt an unserem Wolf, der mir fast das verlorene Heinele ersetzt.
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S.
Das kleine Evchen verspricht auch so etwas ähnliches zu werden, fand ich in Berlin.
Anna's Buch wird bald herauskommen und sie selbst Ihr Haus und Kind besichtigen können. Mir hat die Berliner Reise nur erfreuliche Eindrücke u keine Nachwehen gebracht. Der Besuch bei Ihnen war so voll befriedigend, dass ich nur wünschen kann, es möge immer so schön bleiben.
Ich grüsse Sie, Hans und Harriet herzlich
Ihr
Freud