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    3. 6. 26
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Ich glaube, ich habe Ihre neue Adresse noch nicht [auf]geschrieben.  Stelle Sie mir gern als Hausfrau vor, als Mütterchen habe ich Sie schon gesehen u freue mich, dass Ernst es Ihnen im Ganzen doch recht gemacht hat.

    Ihr Stillschweigen zum Geburtstag verstand ich richtig als Schonung, die ich gut gebrauchen konnte, denn wir sind erst am 31. Mai mit den pflichtgemässen Beantwortungen fertig geworden.  Wenn ich aber etwas verloren hätte, so bin ich jetzt durch Brief und Bilder reichlich entschädigt.  Auf der einen Photographie ist es gelungen, Ihr inneres Glücksgefühl zum Ausdruck

  • S.

    zu bringen.  Wer war der Künstler?

    Am 16t oder 17 d.M. geht es auf den Semmering, Villa Schüler.  Es gienge mir recht gut, wenn ich nicht die dummen technischen Quälereien an der Prothese hätte.  Über die letzten Herzbeschwerden bin ich, scheint es, weggekommen.  Immerhin bleibt das eine schöne Chance.

    Mit Befriedigung haben wir alle von dem guten Verlauf der Operation bei Ihrer braven Schwiegermutter gehört.

    Grüssen Sie den grossen Hans von mir, die kleine Harriet [?] braucht auf einen Gruss noch keinen Wert zu legen, sie ist noch eins mit ihrem einzigen Objekt, und denken u schreiben Sie nur bald wieder

    Ihrem herzlich ergebenen
    Freud