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S.
14. 3. 1931
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Meine liebe Jeanne
Ich beeile mich Ihnen alle Daten zur Verfügung zu stellen, die Sie für Ihre Entscheidung verwenden können. In der Hauptsache kann ich nichts machen, ich kann Ihnen nicht selbst Rat geben. Was Sie von der Fortsetzung Ihrer Analyse erwarten und was Ihnen die Opfer bedeuten, die Sie dafür bringen sollen, das können nur Sie allein ermessen. Jedem anderen fehlt die Schätzung der dabei aufgewendeten Libidomengen. Ausserdem bin ich ja selbst Partei ich würde Sie gern wieder bei mir sehen.
Auf meiner Seite also zwei Punkte: Berlin u Sommeraufenthalt. ad I) Es hätte gar keinen Sinn, wenn ich jetzt oder in nächster Zeit nach B. gehe. Denn meine Beschwerden liegen nicht an der Prothese, sondern sind die Folge der zwei letzten Operationen, die zwar für unnötig, nur durch Vorsicht berechtigt ausgegeben werden, aber immerhin gemacht worden sind und jetzt ihre Wirkung äussern. Die Wundfläche verändert sich, schrumpft, und ehe nicht etwas wie ein definitiver Zustand erreicht ist, kann man an eine Änderung der Prothese nicht denken.
Im Hochsommer ist auch in B. niemand zu heben und für den Herbst möchte
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S.
ich die Reise nach B. möglichst vermeiden. Das geht so zu: Hans hat Recht gehabt, als er mir seinerzeit riet, nicht Schröder sondern Ernst zu wälen. Schr ist zu sehr in Anspruch genommen, man braucht bei ihm sehr viel Zeit. Es klingt sehr undankbar, aber es ist so. Das Verhältnis zu ihm ruht auf einer unmoralischen Basis, da er sich nicht bezalen lässt. Endlich verträgt man es nicht mehr, ihn immer wieder von Neuem zu bemühen. Ich will also in Wien den Versuch machen, ob ich nicht die neue Prothese von dem intelligenten, sehr bereitwilligen Dr Weinmann herstellen lassen kann. Wenn es mislingt, dann möchte ich mir den Weg zu Prof Ernst bahnen, aber das kann erst im Winter in Betracht kommen.
ad II). Die Arbeiten an der Prothese nötigen mich, den Sommer in Wien selbst zu verbringen. Wir stehen in Unterhandlungen über ein Haus in Salmannsdorf. Gern thue ich das nicht. Es hat nur den Vorteil, dass wir früher als sonst, schon im Mai, in einem Garten leben können. Ich bin aber nicht nur vom Zahnazt abhängig, bin auch, wie ich voriges Jahr erfahren habe, an den Internisten gebunden. Die Walfreiheit wird mit den Jahren immer geringer, der Weg, der gangbar bleibt, immer schmäler. - Das ist also meine Lage, ich erwarte nicht, dass sie Ihnen verlockend erscheinen wird. Aber vielleicht macht es Ihnen die Entscheidung leicht.
Mit herzl Grüssen für Sie, Mann und Töchter
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
C36F6