• S.

    8. X. 1932
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Unterdes haben Sie Anna gesehen u von ihr erfahren, was wissenswert ist. Neu hinzugekommen ist, dass Pichler vorgestern wieder eine jener kleinen Operationen vorgenommen hat, die er zur Vorsicht notwendig hält, diesmal weit energischer, als die letzten Male.  Es ist aber alles sehr gut verlaufen, ich habe nur 3 Stunden Wundschmerzen gehabt u alle Injektionen gut vertragen.  Heute gehe ich aus, Montag arbeite ich wieder.  Garantien, dass es das letzte der Art sein wird, giebt es natürlich nicht.

    Ihre guten Nachrichten sind höchst erfreulich.  Ob wirklich eine Verminderung der Persönlichkeit übrig

  • S.

    geblieben ist, lässt sich wol noch nicht entscheiden.  In dem Falle müssten Sie es durch die Erweiterung der eigenen wettmachen.  Ich glaube, das würden Sie treffen.

    Den Rest von M 140 nach 1 Nov. lassen wir als Guthaben für Zigarren udgl bei Ihnen stehen.  Neue Pat. sind nicht gekommen u nicht in Aussicht.  Bei Ferenczi ist perniziöse Anaemie festgestellt worden; wir waren beinahe auf Ärgeres vorbereitet.  So ist doch die Lebertherapie sehr hoffnungsvoll.  Aber schön auf keinen Fall.

    An Ihren letzten Bildchen ist mir aufgefallen, dass Edith einen ganz neuen Gesichtsausdruck zeigt.  Ist das wirklich so?

    Herzliche Grüsse
    Ihr Freud