S.
Berlin, 17. V. 22
Lieber Herr Professor,
nehmen Sie noch einmal meinen heißen Dank für die Tage, die ich in Wien verleben durfte, und für die Stunden besonders, die Sie mir gewidmet haben. Es ist von außerordentlicher Bedeutung für mich, Sie beruhigter um mich zu wissen und überzeugt, daß ich wirklich nicht allzuschwer an meiner Situation trage und so noch das Beste aus mir und meiner Leistung mache. –
Von jenem Überfall, der Sie zur besorgten telegraphischen Anfrage veranlaßte,1 erfuhr ich unterwegs, erst nachdem er geschehen; die Räuber schienen rechte Dilettanten gewesen zu sein, das Opfer war noch sehr gut davongekommen.
Unsere Amerikaner sind gut eingetroffen und gleich nach Leipzig weitergereist. Ich hatte in Hamburg noch Zeit, Max2 zweimal aufzusuchen; hatte sehr viel Freude an den Buben, vor allem hat mich das Heinerle angezogen, er ist ein ganz unwiderstehlicher kleiner Kerl, in der Mischung von possierlicher Schalkhaftigkeit und sieghafter Zutraulichkeit.
Die wärmsten Grüße Ihnen und den Ihrigen, lieber Herr Professor, von Ihrem
Max Eitingon