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S.
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Villa Schüler
19. 6. 26.
Dear Ruth
Sie sind kaum abgereist
u ich habe schon Gelegenheit,
Ihnen einen Brief nach-
zuschicken. Nicht nur, um
mich für einen herrlichen
Rosenstrauß zu bedanken,
mit dem eine glänzende
Geschenkserie würdig
abschließt – er war aber
wol für Tante Minna’s
Geburtstag bestim̄t –
sondern auch, weil ich
heute Nachricht von
Ferenczi hatte, daß er
die Reise nach Amerika
durchführen wird. Er
sagt aber nicht, wann
er fährt. Ich meine, das
Beste ist jetzt, daß ich ihm
Ihre Adreße in NY
mitteile u ihn auffordere,
sich sofort nach seiner
Ankunft mit Ihnen
in Verbindung zu
setzen. -
S.
Ich habe mit Befriedigung
vom Telephon gehört, daß
es Ihnen und Mark nach
dem Abbruch gut geht. Mir
hat der Höhenwechsel vor-
erst nicht gut gethan, es
ist auch grimmig kalt, als
ob es nie Sommer wer-
den wollte. Ferner berührt
es mich sonderbar, daß
ich gar nichts zu thun habe,
während Anna den ganzen
Nachmittag mit ihren
Kindern arbeitet.Das Haus u die Existenz
hier sind sonst behaglich
genug.Grüßen Sie Ihre Eltern
von mir u lassen Sie
von Ihren Schicksalen
hören.
Herzlich
Ihr
Freud