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    [Briefkopf Wien] Csorbató, 21. 8. 17. Lieber Freund Es ist so gekommen, wie Sie vermuten. Nachdem das üble Wetter überwunden war, hat sich ein herrlicher, genußreicher Sommer ergeben, unverdient schöne Ferien, die auch Frau und Tochter wie selten zuvor genossen haben. Die Ungarn sind unmanierlich, laut, aber entgegenkommend und gastfreundlich, Freundschaft und Anhängerschaft haben sich in Freigebigkeit umgesetzt, und so haben wir durch solchen Gefühlsausdruck im Überfluß von Brot, Butter, Wurst, Eiern, Zigarren schwelgen können, etwa wie der Häuptling eines primitiven Stammes. Die Hotelverpflegung allein hätte nicht soviel geleistet, obwohl sie unter den derzeitigen Umständen Tadel nicht verdient. Ich kann selbst meiner Leidenschaft, auf die Pilzjagd zu gehen, in den Wäldern hier, nachgeben. Gearbeitet habe ich nichts, aber stundenweise und halbe Tage lang selbst das Weltelend vergessen, dazu kam, daß während dieser Zeit meine drei Krieger außer der Front waren. Kurz vor unserer Abreise war der einzige Sohn meiner Schwester, ein 20jähriger, auf dem italienischen Kriegsschauplatz gefallen. Sachs hat den Aufenthalt hier drei Wochen lang geteilt. Ferenczi etwa durch 14 Tage. Beider Frauen, d.h. die es werden sollen, befanden sich auch in nächster Nähe. Rank war

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    einmal auf Besuch hier, über die Berge von Krakau her. Eitingon gleichfalls über einen Tag, er hat sich für die Aufnahme durch eine kolossale Lebensmittelsendung revanchiert. Er sieht sehr gut aus, ist stärker geworden, langweilt sich wissenschaftlich, sehr selig über die Betätigung seiner Frau, mit der er jetzt in Karlsbad sein dürfte. Einige Tage später haben sie meine Tochter, die auf ein Gut in der ungarischen Ebene zu Ferenczis Familie gereist ist, in Miskolcz abgewartet und, ich zweifle nicht, freundschaftlich bewirtet. Wissenschaftlich nichts Neues. Heller hat die Übersetzung ins Holländische (der Vorlesungen) gut gezahlt bekommen. Sie wissen, ich brauche jetzt Geld für die Meinigen und nichts anderes so dringend als Geld. Binswanger hat mir ein Stück Manuskript seines Buches zugeschickt, das die Stellung der Psychoanalyse zur Psychologie behandeln soll. Ihr Urlaub ist also jetzt auch hinter Ihnen. Hoffentlich hat er Sie und die Ihrigen auf lange hinaus gekräftigt! Am 30. oder 31. gedenken wir nach Wien abzureisen. Sachs ist an der Arbeit, um den Stillstand in der Produktion unserer Zeitschriften in Bewegung umzuwandeln. Die herzlichsten Grüße an Sie und Ihre liebe Frau von Ihrem Freud