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    [Durchschlag]1

     

    Wien, am 21. April 1921

    Liebe Freunde!

    Von hier ist trotz Überbürdung mit Geschäften 
    aller Art nicht viel Positi- ves zu melden.–

    Heute werden versandt: Zeitschrift Heft 1 und 2, 
    Imago Heft 2 und die neue Auflage des Tagebuches, für die schon zahl-
    reiche Bestellungen vorliegen.– In anderen Verlagen erschien »Das See-
    lenleben des Kindes« von Hug-Hellmuthin 2. Auflage und der kleine Traum 
    in 3. Auflage; die 6. Auflage der Traumdeutung erscheint (unverändert) 
    in kurzer Zeit bei Deuticke.– Von Jenseits ist die erste Auflage nahe-
    zu vergriffen und wir bereiten jetzt die zweite größere vor. Von un-
    seren englischen Bänden werden jetzt die ersten zwei bald verwendet, 
    der 3. (Flügel: Die Ge- schichte der Familie) ist im Druck; weitere lie-
    gen bis jetzt noch nicht vor.–

    Ein Berliner Verlag, der russische Bücher herausgibt, 
    hat sich an Deuticke gewendet, um das Übersetzungsrecht der 5 ameri-
    kanischen Vorträge zu erwerben; doch ist das Buch bereits in 3. Aufla-
    ge im Russischen erschienen. Über eventuelle russische Pläne des Ver-
    lages möchten wir mit Eitingon sprechen, auf dessen baldige Ankunft wir uns sehr freuen.– (Für Eitingon: Dr. Minkowski bestätigt heu-
    te, den richtigen Empfang unserer zweiten Büchersendung.)

    Groddeck sandte ein neues Manuskript ein3, d. h. den An-
    fang eines solchen, ohne Titel (man könnte es psychoanalytische Briefe 
    an eine Freundin nennen) das die gewohnten Vorzüge Groddecks: Origina-
    lität, Geist und Witz zeigt.–

    Letzten Mittwoch hatten wir in unserem Verein eine von 
    Federneingeleitete Diskussion über Jenseits des Lustprinzips, die aus-
    ser einigen miß- verständlichen Auffassungen nichts Bemerkenswertes zu
    tage förderte.–


    ad London: Die Übersetzung des Jenseits, die wir
    schon mit Sehnsucht erwarten, ist der Professor sehr gern bereit 
    durchzusehen.–

    Wir teilen mit Dir, l. Ernest, die Hoffnung, daß im 
    Falle eines Angriffs auf das Tagebuch, wir andere Möglichkeiten finden 
    werden, es zu schützen.

    Mit Deinem überlegenen diplomatischen Brief an Silberer 
    haben wir uns sehr gefreut.–

    Bp.: Besten Dank, l. Ferenczi für die glänzende Leistung 
    der kleinen Erziske.–

    Bl.– Was den Bericht der Berliner Gruppe betrifft, so schrieb 
    mir L[iebermann] in seinem letzten Brief vom 31.1.21, daß die Berichte über die 
    Sommersitzungen noch fehlen; sein letzter Bericht, der in VII/1 

  • S.

    erschien, enthält die Berichte ab 24. Sept. 1920; der vorhergehende 
    Bericht, der in Z VI, s. 100 abgedruckt ist, reicht bis zu März 1920: 
    die da-zwischen liegenden Sitzungsberichte fehlen.

    Mit freundlichen Grüßen

    [Rank Freud]