S.
[Briefkopf Wien] Semmering
26. 8. 1927
Lieber Max
Ihr heutiger Brief veranlaßt mich doch, Ihnen nochmals zu schreiben. Ich höre auch von Anna, daß Sie meine Ansicht zur Präsidentenfrage wissen wollen. Ich dachte, Sie wissen schon, daß ich im Grunde meines Herzens Sie an dieser Stelle sehen möchte, nur die Intensität von Ferenczis Wunsch im Verein mit Ihrer oft geäußerten Abneigung haben mich der anderen Lösung geneigt gemacht.
Die Korrespondenz mit Fer[enczi] hat plötzlich wieder aufgehört. Ganz begreife ich ihn auch nicht. Rutha Mack,1 die mir sehr ergeben ist, heuer nicht zum Kongreß kommt, schreibt aus Amerika, man höre dort über ihn „queer stories“,2 sie sagt nicht, was; leider hat sie eine Neigung zum Denunzieren.
Ich meine, wenn Ihnen irgendein Rest von Unsicherheit, Mißtrauen bleibt oder aufsteigt oder wenn Sie die äußeren Schwierigkeiten als zu groß einschätzen, so nehmen Sie die Stelle an und beharren bei der Überzeugung, daß Sie in meinem Sinn gehandelt haben, wenn Ihnen das neben dem eigenen Urteil viel bedeutet.3
Gestern Wettersturz, heute Schnee auf den Bergen, grimmig kalt. Wenn Sie dieses Wetter in Innsbruck haben, sind alle grantig, und es geht schief aus. Aber es bleibt noch Zeit zur Aufheiterung.
In voller Teilnahme an Ihren Sorgen und Mühen herzlichst
Ihr Freud
a Erster Buchstabe korrigiert aus: M.