• S.

    PROF. DR. FREUD
    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    24.3.12.

    Lieber Freund

    Arbe ist gesichert, Zim̄er in der Depen-
    dance des Hotels für uns bestellt. Ich 
    hoffe, Sie sind damit zufrieden. Arbe 
    soll das schönste u abwechslungsreichste 
    Stückchen von Dalmatien sein, Wald, 
    Trinkwasser u Strand haben.

    Ihre Erkundigungen haben nämlich die 
    Änderung der Fahrordnung vom 1 April 
    an außer Acht gelassen. Ich fahre mit 
    der Südbahn 9h.30 hier ab, wir treffen 
    glaube ich, in Nabresina zusam̄en, kom̄en 
    jedenfalls früh genug in Fiume an, um 
    frühstücken zu können (Oli ist noch nicht 
    zu Hause!). Das Schiff geht Samstag 10h.15 
    ab und ist 3h.10 in Arbe, geht Dienstag zurück. 
    Also ganz geeignet. Hoffentlich wird 
    alles gut aus gehen u wir finden in 
    Arbe etwas von dem Behagen, das wir 
    in Sizilien zuletzt vergeblich gesucht haben.

    Jung schreibt heute, daß er von der Fordham 
    University New York für einen Kurs 
    von Vorlesungen vom 10 Sept an einge-
    laden ist. Da seine Militärzeit vom 22 
    Aug. bis 6 Sept läuft, hat er den Kongreß 
    für den 19/20 Aug. in München angesetzt, 

  • S.

    dh er fragt deshalb bei mir an u will sich 
    darüber an die Ortsgruppen wenden. Ich 
    habe ihn telegraphisch gebeten, diese Anfragen 
    aufzuschieben u werde ihm schreiben, daß mir 
    dies Datum fürchterlich schlecht paßt; es 
    zerstört meine Ferien, ich bin bis 10 Aug 
    in Karlsbad. Auch ist der August – dazu in 
    München – keine Zeit für wissenschaftliche 
    Arbeit. Es empfehle sich daher, heuer den 
    Kongreß aufzulassen, was er sehr gut mit 
    seiner Amerikareise motiviren kann. 
    Letztere ist wieder ein erfreuliches Zeichen.

    Bei Elma geht es andauernd dunkel weiter. 
    Sie hat einige ganz überraschend intelligente 
    Einsichten vorgebracht, aber sie will nicht 
    an das Erlebnis mit Ihnen heran u scheint 
    mir nicht fertig werden zu wollen, dh. der 
    Übertragg wegen den Aufenthalt über 
    Ostern zu verlängern, was ich nicht will. Ich 
    kühle mich also wieder merklich ab.

    Ich freue mich sehr auf Ostern u 
    grüße Sie herzlich 
    Ihr getreuer 
    Freud

    Oli] Freuds Sohn Oliver war offensichtlich in die Reisplanungen involviert.