• S.

    PROF. DR. FREUD
    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    5 Okt 11

    Lieber Freund

    Ich will die Beantwortung 
    Ihres Schreibens nicht von 
    dem Erscheinen von Dr Spitz 
    abhängig machen, u danke 
    Ihnen für Ihren Gruß zur 
    Eröffnung, den ich voll 
    erwidere.

    Ihrer Lymphang. entspricht 
    meine Periostitis, die jetzt 
    abklingt. Dafür bin ich in 
    Wien von einem greulichen 
    Schnupfen empfangen worden.

    Es geht noch wenig vor. Ich 
    arbeite mit 5 Pat., die meisten 
    Anknüpfungen gehen auf 
    späteres Datum.

    Das Erscheinen der neuen 
    Zeitschrift bei Deuticke 

  • S.

    ist gesichert. Nächsten Mittwoch 
    ist erste Vereinssitzung und 
    Versuch, die Adlerrotte heraus-
    zudrängen. 

    Ernst ist heute früh recht erholt 
    vom Gardasee zurückgekom̄en. 
    Ein neuer Hausarzt wird 
    sich mit den beiden Kranken 
    zu beschäftigen haben. Oli 
    macht einen zufriedenen Ein-
    druck.

    Eine neue Zeitschrift für 
    „Pathopsychologie”, die sich 
    im Vorwort zweideutig 
    benom̄en hat, bietet sich brieflich 
    als Bundesgenossin an.
    (Specht in München).

    In Erwartung alles deßen, 
    was dies Jahr bringen 
    wird, 
    herzlich Ihr
    Freud

    Lymphangitis] Entzündung der Lymphgefäße

    Periostitis] Knochenhautentzündung.

    Specht]
    Wilhelm Specht (* 23. April 1874 in Hamburg; † 1945 in Riezlern) war ein deutscher Psychiater und Kriminalpsychologe in München.
    Specht begann an der Universität Jena Medizin zu studieren. 1895 wurde er Corpsschleifenträger der Thuringia Jena. Zwischenzeitlich an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Albertus-Universität Königsberg, wurde er 1900 in Jena zum Dr. med.promoviert. Psychiater wurde er im Hamburger AK Eppendorf und ab 1901 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Bei Robert Wollenberg habilitierte er sich 1904. Seine Probevorlesung befasste sich mit der „Psychologie als Hilfswissenschaft der Psychiatrie“. Nach kurzer Zeit an der Universität Leipzigübersiedelte er 1907 nach München. Als Assistent von Emil Kraepelin konnte er sich an die Ludwig-Maximilians-Universität umhabilitieren. 1909 aus der Münchner Klinik ausgeschieden, erhielt er 1915 an der LMU ein Extraordinariat für Psychiatrie. An ihrer juristischen Fakultät übernahm er 1927 einen Lehrauftrag für theoretische Kriminalpsychologie. 1939 aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen, zog er ins Kleinwalsertal. Er war Herausgeber der Zeitschrift für Pathopsychologie.
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Specht_(Mediziner) [2025-11-24])

    • Leopold Weiss alias Muhammad Asad: von Galizien nach Arabien 1900–1927
    • W. Specht: Editorial, Zeitschrift für Pathopsychologie 1 (1912), S. 1–3.
    • Zeitschrift für Pathopsychologie (1914-1919) - digital (UB Heidelberg)
      (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Specht_(Mediziner) [2025-11-24])
      geboren am 23. 4. 1874 in 'hamburg, 1874-?), deutscher Psychiater, arbeitete seit 1907 bei Kraepelin in München und wurde 1914 außerordenlicher Professor für Psychiatrie an der dortigen Universität; Begründer und Herausgeber der Zeitschrift für Pathopsychologie (Leipzig), deren erste Nummer im August erschienen war. Sein Brief war von Freud an Jung geschickt worden, der ihn in seiner Antwort kommentierte (6.10.1911, Briefwechsel, S. 491f.). In seinem Vorwort führte Specht den Vorwurf an, daß Freuds Lehre im Widerspruch stehe "zu den sicheren Erfahrungen klinischer Psychiatrie. Und sicher ist, daß er [Freud] die psychologischen Grundbegriffe, die er verwendet, eigenmächtig konstruiert hat, ohne Fühlung mit der Psychologie." Vgl. Reitlers Rezension im Zentralblatt (1911-12, 2: S. 407-409).