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S.
7. 5. 14.
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Sie sind jetzt unser Präsident. Wir
haben den Verein in der Hand und
wollen ihn nicht sobald auslassen.
Maeder hat in sehr verbindlicher Weise zuge-
stimmt, Seif mit knappen Worten. Die
offizielle Verständigung vom Wahlergebnis
wird Rank wahrscheinlich morgen aus-
schicken.
Ich schlage Ihnen nun vor, ein Korrespblatt
vorzubereiten, welches ins 4. Heft der Zeit-
schrift kommen kann. (Das 3te ist so gut
wie fertig.) In der Einleitung Ihrer Pro-
klamation bitte ich Sie, nicht zu übergehen,
daß die bisherige Zentrale seit München
ihre Tätigkeit eingestellt u nicht einmal
einen Kongreßbericht geliefert hat.
Vielleicht finden Sie sich auch berechtigt,
das ungeschickt gewählte Datum des
Kongresses zu verändern. Tatsächlich
zerreißt es uns die Ferien. Wenn
man 4./5. September in Dresden sein soll,
was macht man dann? Ende Sept habe ich
einen Vortrag in Leiden zu halten,
meine Kleine von England abzuholen,
meinen Besuch in Hambg zu machen. -
S.
Kann man es nicht so einrichten, daß der Kon-
greß in die dritte Septwoche verlegt
wird oder in den Beginn der vierten?
Es würde vielen besser passen. Sie sehen,
kaum hat man ein Amt, kommen die
Petenten. Unsere private Zusammenkunft
werden wir wohl am Tag vor dem Kongreß
abhalten.
Ich bin andauernd nicht wohl u arbeitsunlustig,
warte auf die Fahnen des Jahrbs, die trotz
aller Mahnungen nicht kommen wollen. Ich
werde vieles zuschärfen, auch einiges mildern.
Vom Sommer weiß ich noch immer nichts.
Heller jammert sehr über den schlechten Abon-
nentenstand unserer beiden Journale.
Gewiß hat der Setzerstreik da viel ge-
schadet. Da muß eben durchgehalten
werden.
Ihre Kleinen hoffe ich nun völlig
erholt u Sie selbst u Ihre Frau so
wohl, wie es Ihrer Jugend und
Ihrem Einvernehmen geziemt.
Ich bin gestern 58 J geworden.
Herzlichen Gruß
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Oostenryk
Rankestraße 24
Berlin 10789
Duitsland
C14F27