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S.
[Briefkopf Wien] 4. 6. 20.
Lieber Freund
Frau und Tochter haben mir viel, zumeist Erfreuliches, von Ihnen erzählt, wenn auch noch nicht das, worauf wir warten. Mein heutiger Brief dient einer einzigen Anfrage.
Urban & Schwarzenberg schicken mir Brief und Antwortkarte, auf der ich mich verpflichten soll, den Beitrag zum Handbuch Kraus-Brugsch »Psychoanalytische Neurosenlehre[«] im Herbst d. J. einzusenden. Ich habe vor es nicht zu tun, ich könnte nur meine Vorlesungen abschreiben, und bei einer selbständigen Neubearbeitung ist mein Interesse -
S.
gegenwärtig nicht festzuhalten. Ich möchte also, daß Sie mich ablösen, und denke, es wird eine Anregung für eine Ferienarbeit sein, keine Plage und in gewissem Sinn eine Förderung. Aufschub könnten Sie gewiß bekommen, Umfang drei bis vier Bogen. Ich warte nur auf Ihr eventuelles telegraphisches »Ja«, um diese Verschiebung bei der Redaktion energisch durchzusetzen.
Papier- und Geldschwierigkeiten haben unsere durch den neuen Fond angefachte Schaffenslust wieder gedämpft. Darüber nächstens mehr.
Mit herzlichstem Gruß für Sie und Ihre liebe Frau
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Oostenryk
Schleinitzstraße 6
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C15F2