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S.
[Briefkopf Wien] 11. II. 25
Lieber Freund!
Mit der Erledigung der Kongreßfrage natürlich sehr einverstanden. Wenn es mir weiter gut geht, bin ich auch dabei. Frau und Schwägerin wollen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, wieder einmal in Deutschland zu sein und an Anna, als meine Begleiterin, ist man ja schon gewöhnt. Übrigens bin ich bereit, ein schlechtes Beispiel zu geben und spazieren zu fahren, anstatt Vorträge anzuhören. Also eigentlich sollten Sie mich gar nicht einladen.
Ihre Aufforderung, in der Berliner Gesellschaft für Gynäkologie zu sprechen, ist wirklich ein gutes Zeichen. Sie haben recht zu erwarten, daß andere nachkommen werden.
Ich habe eben vorhin Eitingon geschrieben, daß ich mich der redaktionellen Entscheidung in Betreff des Vorrangs des Wunderblocks vor Ferenczis Arbeit unterwerfe. Ihr Urteil über diese Notiz finde ich aber zu liebenswürdig. Ich hätte, trotz der wahrscheinlichen -
S.
Kurzlebigkeit mancher Anregungen, doch lieber die Arbeit von Ferenczi verbrochen.
Ihr Vorschlag, in der Zeitschrift eine Diskussion über technische Fragen zu eröffnen, scheint mir sehr zweckmäßig und einem Aufschub bis zum Kongress vorzuziehen. Es werden sicherlich sehr viele Beiträge kommen. Ich bin auch bereit, etwas dazuzutun. Doch lassen Sie mich nicht das erste und nicht das letzte Wort sagen, sondern irgendwo mitten hinein fallen. Ich habe ja oft Gelegenheit zu merken, daß meine Äußerungen eine Art von Clähmenden Einfluß auf die Regsamkeit der anderen haben und denke, ich muß vorsichtig sein.
Mit herzlichem Gruß für Sie und Ihr Haus
Ihr Freud
Berggasse 19
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Oostenryk
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