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[Briefkopf I Berlin] 21. XII. 07.
Sehr geehrter Herr Professor,
Mittwoch Abend spät, als ich ins Hotel zurückkehrte, fand ich in meiner Mappe die kleine Schachtel; der Inhalt und die beigefügten Worte haben mich sehr erfreut. Sie haben mit dieser so reizend gewählten Aufmerksamkeit allen vorausgegangenen die Krone aufgesetzt. Lassen Sie mich Ihnen noch einmal recht
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herzlich für alle Gastfreundschaft und für alle Belehrung und Anregung danken. Ich wünsche ja sehr, daß die Anhänger Ihrer Lehren sich recht vermehren mögen. Aber wenn alle kämen und Ihre Gastfreundschaft und Ihre Zeit so in Anspruch nähmen, wie ich es getan habe, so würden Sie vielleicht eines Tages die Gegner den Freunden vorziehen! Mir sind die Tage, die ich in Ihrer Gesellschaft und im Kreise Ihrer Familie verbringen durfte, überaus wohltuend
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gewesen. Von soviel Liebenswürdigkeit und zugleich von soviel Kultur umgeben zu sein, das ist ein seltener Genuß. Ich bin mit dem Gefühl abgereist, tief in Ihrer Dankesschuld zu bleiben. Vielleicht gelingt es mir, durch wissenschaftliche Mitarbeit nach und nach einen Teil dieser Schuld abzutragen. Demnächst werde ich Ihnen wieder etwas zur Frage der Abkehr der Libido bei der Dementia praecox vorlegen. Ich wurde heute wegen
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eines jungen Patienten konsultiert, den Sie vor einiger Zeit in Görlitz untersucht haben. Er hat jetzt eine schwere halluzinatorische Psychose; die Zwangssymptome bestehen fort. Der Fall scheint mir in Verbindung mit zwei früher von mir beobachteten für unsre Anschauung sehr wichtig. Für heute schließe ich mit den besten Grüßen, auch von meiner Frau, und bitte Sie, mich auch der Mittwochs-Gesellschaft zu empfehlen. Ihr herzlich ergebener
Karl Abraham
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