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[Briefkopf I Berlin] 9. VII. 08.
Sehr geehrter Herr Professor,
Ihre Karte hat mich sehr erfreut; ich darf nun das Erscheinen des Mythus wohl sicher zum Herbst erwarten. Der Salzburger Vortrag erscheint bei Gaupp am 15. Juli. Hirschfeld habe ich kürzlich einen kleinen Aufsatz gegeben »Über die psychologischen Beziehungen zwischen Alkoholismus und Sexualität«. Ein weiterer ist in Vorbereitung und soll die Psychologie der Verwandtenehe betreffen. Diese gilt ja seit langem als
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Ursache von Nervenleiden; ich will nun umgekehrt zeigen, daß neurotisch Veranlagte mit Vorliebe Blutsverwandte heiraten, weil sie die Libido nicht von ihrem frühsten Objekt – Vater oder Mutter – ablösen können. Ich habe sehr interessantes Material gefunden, will Sie aber jetzt vor den Ferien verschonen. Die Praxis ist, wenn auch numerisch klein, wenigstens therapeutisch befriedigend. Bei einer schweren Angsthysterie habe ich einen sehr schönen Erfolg erzielt; der Pat., ein sehr intelligenter Dr. phil., zeigte vorzügliches Verständnis und interessiert sich
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jetzt auch wissenschaftlich weiter für die Sache. Auch die Frau hatte Angstsymptome und verlor sie. Dieses Ehepaar ist zugleich ein schöner Fall für die Theorie der Verwandtenehe. Über Zürich will ich heute nichts schreiben; Sie werden sich schon allein die richtige Vorstellung davon machen. Dagegen scheint mir Oppenheim zum Einlenken geneigt. Kürzlich bat er mich in der Poliklinik coram publico, einen Knaben psychoanalytisch zu untersuchen! Sein früherer Widerstand scheint in Duldung überzugehen. Vielleicht erleben wir noch Zeichen und Wunder. Aber ich
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