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    [Briefkopf I Berlin] 11. VI. 08.

    Sehr geehrter Herr Professor,

    Ihre anerkennenden Worte waren mir eine große Freude. Ich wünschte sehr, daß der Erfolg hinsichtlich der werbenden Kraft Ihrer Prognose entspräche. Die Nachträge, welche Sie vorschlagen, werde ich bei der Korrektur anbringen. Sollte ich noch einmal einen Beitrag zu der Sammlung liefern, so gelingt es mir vielleicht, auch die Form Ihren Wünschen anzupassen. Übrigens sehe ich immer mehr ein, daß eine Arbeit unsrer Sache nur nützen kann, wenn der Verfasser ohne 

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    Reserve für sie eintritt. Ich glaube, daß auch die Referate im Jahrbuch den Standpunkt des Referenten durchblicken lassen sollen. Ich habe mit dieser Arbeit begonnen. Die »Drei Abhandlungen« sind fertig; jetzt bin ich bei der Psychopathologie des Alltagslebens. Gestern erhielt ich von Moll eine Einladung zur Mitarbeit an einer neuen Zeitschrift. Wie er mir mitteilt, hätten Sie Ihre Mitarbeit zugesagt. Ich habe es ebenfalls getan, werde außerdem mit M. noch eine Unterredung in dieser Sache haben. – Es wird Sie interessieren, daß Oppenheim mir eine Patientin 

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    zur Psychoanalyse zugeschickt hat; allerdings wünschte die Patientin selbst diese Behandlung. Daß er nicht abrät, ist doch bemerkenswert. Sonst geht die Praxis zufriedenstellend. Sie beschäftigt mich noch nicht so, daß ich mir Ferien wünschen müßte, oder daß ich sie mir leisten könnte. Aber der Anfang ist ermutigend. Ihnen und den werten Ihrigen wünsche ich eine recht angenehme Reisezeit, wenn Sie selbst sich auch einstweilen noch mit der Vorlust begnügen müssen. Ich habe vor, im Herbst einen Kursus für Ärzte zu halten, und für diesen Zweck ist das Anfertigen der Referate eine 

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    Art Vorarbeit. Oder glauben Sie, daß hier, in partibus infidelium, ein solcher Kurs noch ein zu gewagter Vorstoß ist? Nun erwarten Sie gewiß noch Nachricht über den Ausgang meiner Angelegenheit mit Jung. Zu meinem wirklichen Bedauern kann ich Ihnen aber nichts mitteilen, denn ich bin jetzt, nach mehr als einem Monat, noch ohne Antwort. Zum Schluß noch zwei Fragen. 1.) Wer ist Alfred Polgar, der im Simplicissimus in seinen Geschichten immer Ihre Nomenklatur verwendet? Etwa Dr. Graf? 2.) Ist in der Psychopathologie des Alltagslebens, 2. Aufl., Seite 40, in dem Beispiel iB die Klapperschlange nicht durch Klapperstorch determiniert, d

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    er ja auch beißt? Das Thema vom Somatrank möchte ich später wiederaufnehmen, um auf die Psychologie der Berauschung einzugehen. Vorher locken noch ein paar andre Themata.
    Mit herzlichen Grüßen bin ich Ihr dankbar ergebener
    Karl Abraham