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S.
[Briefkopf Wien] 22. 3. 18 Lieber Freund Mein Verschreiben auf dem Couvert brauche ich nicht zu erklären! Ich denke, jetzt, da die große Offensive losgegangen ist, wird, wenn nicht die Friedens-, so doch die Siegeshoffnung Ihre Stimmung beschwingt haben, und Sie werden es umso unverantwortlicher finden, daß ich mich als müde und des Ringens überdrüssig bekenne. Ich kann, wie Sie sehen, kaum mehr lesbar schreiben. Vielleicht trägt auch die ungewohnte Ernährung, ich bin Fleischfresser gewesen, zu meiner Abspannung bei. Zwei von meinen Kriegern sind wieder abgerückt, zunächst in ihre früheren Stellungen. Der dritte, Ernst, ist durch seine Beschwerden, unter denen ein Lungenkatarrh hervorsticht, in den Stand gekommen, einen c oder b Befund zu erhalten und hofft auf mehrmonatlichen Urlaub, um seine Studien in München fortsetzen zu können. Wenn das Reisen nicht gerade jetzt mit allen Strafandrohungen verboten wäre, wollte ich gerne über Ostern Tochter und Enkel wiedersehen, und von Schwerin nach Allenstein wäre es auch nicht zu weit. Aber es ist unausführbar.
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Wären Sie jetzt frei, so eröffnete sich für Sie als natürlichen Mittler zur deutschen Neurologie ein großes Arbeitsfeld. Heute habe ich – nach Simmel – eine Monographie aus der Lewandowskyschen (Heft 15) Sammlung: Wahn und Erkenntnis von Paul Schilder (Leipzig) bekommen, die in ihren Ergebnissen schon ganz analytisch ist, und nur den Ödipuskomplex pflichtgemäß übersieht. Natürlich tut Sch. so, als hätten die Herren alles oder das meiste selbst entdeckt; kurz, das ist die Art wie die deutsche Klinik sich unsere Funde »aneignen« wird. Im Ganzen ja gleichgültig. Ich habe Ihnen kürzlich die Korrekturen der letzten Nummer der Zeitschrift geschickt, sowohl wegen meiner metapsychologischen Versuche als auch wegen der – nicht gerade berühmten – Reaktion von Tausk auf Ihre Ejaculatio praecox. Wir setzen den Druck der Zeitschriften fort, aber Heller ist leidend und unzugänglich, so daß wir der Zukunft unsicher sind. Ich wollte ihn dazu bewegen, einen vierten Band meiner Sammlung zur Neurosenlehre drucken zu lassen und hätte eine große, seit 1914 lagernde Krankengeschichte dazu gegeben.7 Ich grüße Sie und Ihre liebe Frau herzlich Ihr Freud
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