• S.

    Liebster Freund

    Ich finde, es ist gar nicht noth-
    wendig, daß Sie auf jeden
    meiner dum̄en Späße ant-
    worten.  Ich will jetzt direkt
    die Sicherheit haben, daß ich
    ohne Antwort schreiben kann.
    Ich habe Ihnen heute nur
    mitzutheilen, daß meine Frau
    am 1. Juni nach Reichenau geht,
    ich über Pfingsten nachkom̄e,
    daß ich sehr gerne bereit
    bin, Ihnen über die Zeit
    Ihrer Anwesenheit aus
    dem Weg zu sein, daß ich
    aber natürlich das Opfer
    gerne annehme, Sie etwa

     

    [2]

    Samstag oder Dienstag, wen̄ Sie schon
    oder noch hier sind, auf
    einen Moment als Glücklichen
    zu sehen u herzlich zu beglück-
    wünschen.

    Nebenbei, u da mir nichts Gescheiteres
    einfällt, theile ich Ihnen mit, daß
    ich auf Ihrer letzten Karte
    mit Schreck ein  W. Ch.
    (Wilhelm Christian) gelesen habe.
    Erst später fiel mir auf, daß Sie
    Ihren einfachen Vornamen so
    aequivok schreiben.

    Herzlich
    Ihr Dr Freud

    Überlegen Sie sich schnell, was
    Sie zum Hochzeitsgeschenk wollen.
    Ich muß es früh wissen.

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    Vorläufige editiorische Anmerkungen

    Hochzeitsgeschenk: Wilhelm Fließ wird am 6.9.1892 Ida Bondy heiraten.