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S.
Wien, 15/5 93
Liebster Freund
Seitdem ich von Berlin zurück
bin, war ich unwol, bis endlich
eine Influenza kam mich mit
einem Tonsillarabscen beschenkte
u dan̄ gebessert u erfrischt verließ.
Geblieben ist mir nur eine unbe-
greifliche Schreibmüdigkeit (Dys-
graphie) unter der ich bedaure
auch Dich getroffen zu haben. Es
geht auch heute nicht recht. Ich meine
nur wen̄ Du nicht schon längst
Entschluß gefaßt hast, Du sollst
es mit den 11000 deutschen Ärzten
nicht thun, sondern froh sein, daß
die Leute Dir Zeit lassen,
ungestört zu arbeiten, bis die
Sache fertig ist. -
S.
Ich habe Dir gestern einen Man̄
aus Budweis geschickt, der ein
Schwager von meinem Freund
Dr. Fürth ist. Ich hoffe, ich habe
richtig diagnosticirt.In den Neurosen etwas Stockung,
arbeite mehr Hysterie. Wernicke
scheint nicht kom̄en zu sollen.Unsere Kleine gedeiht
Die herzlichsten Grüße an Dich
u Frau Ida
Dein Sigm FreudSobald ich die Störg überwunden
schreibe ich ordentlich.
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