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S.
Wien 20. 4. 95.
Liebster Wilhelm
Der Osterausflug u ein Tag in Abbazia
haben die Beantwortg Deines Schreibens
verzögert. Ich schicke Dir heute die Correctur-
bögen von der zweiten Hälfte unseres
Buches, laß Dich durch die Druckfehler
nicht stören. Es ist mir lieb, wenn ich so
einmal von etwas als von den zwei
langweiligen Gesundheiten schreiben kann.
Deine Gesundheit setzt sich ja zum Glück
von der Tagesordng ab. Wir sind so undankbar;
was haben wir gezagt mit Operation
u allen daran haftenden Gefahren? Jetzt fällt
kaum ein Wort darüber, daß es gelungen
u Du wieder arbeitsfähig bist. Ich will
mich laut darüber freuen u jetzt
auf die Mitteilg Deiner wissenschaftl
Funde warten. -
S.
Deine Vorschläge in Betreff der E. habe ich
Rosanes natürlich gleich mitgetheilt. Es
sieht sich aus der Nähe manches anders
an, so die Blutgen; ich kan̄ bestätigen,
daß bei ihnenzvon Zuwarten nicht
die Rede ein kann. Es blutet wie aus
der Carotis, in einer halben Minute
wäre sie wieder exsanguis. Es geht ihr
jetzt übrigens besser. Der Tampon ist
sachte u allmälich entfernt worden, es hat
kein Malheur gegeben, sie ist jetzt frei.Schreiber dieses ist noch sehr miserabel, ist
aber auch beleidigt, daß Du ein Zeugniß
von G. für nothwendig zur Rehabilitirg
erachtest. Für mich bleibst Du der Arzt,
der Typus des Man̄es, dem man vertrauens-
voll sein Leben u das der Seinigen
in die Hände legt, auch wenn G. von
Deiner Kunst dasselbe meinen würd
wie Weil. Ich hab Dir etwas vorjam̄ern
u vielleicht Rath für die E. von Dir -
S.
haben wollen, nicht Dir etwas vorwerfen. Es
wäre dum̄, unberechtigt u im hellen Widerspruch
mit all meinem Gefühl.In betreff meines Leidens möchte ich, daß Du
recht behieltest, daß der Antheil der Nase
ein großer, der des Cor ein kleiner sein
möge. Nur ein sehr strenger Richter wird
mir verübeln, daß ich bei dem Puls u der
Insufficienz oft das Gegentheil glaube.
Deinen Vorschlag jetzt nach Berlin zu kom̄en,
kan̄ ich nicht annehmen, ich bin nicht in den
Verhältnißen, mir fl 1000-1500 für eigene
Gesundheit oder auch nur die Hälfte davon
zu gestatten, u nicht demoralisirt genug,
auf Deine Andeutung den Verlust zu er-
sparen einzugehen. Ich denke, ich muß es auch
nicht. Wenn das Empyem die Hauptsache
ist, so entfällt der Gesichtspunkt der Gefahr
u die Beschwerden durch einige Monate
fortgesetzt werden mich nicht umbringen.
Wen̄ aber eine Herzaffektion das Wesen aus-
macht, dan̄ kannst Du mir ja nur Beschwerden
beseitigen u ich sehe der Gefahr dann -
S.
warnungslos entgegen, was ich nicht mag.
Heute kan̄ ich schreiben, weil ich bessere Hoffng
habe; ich habe mir aus einem elenden
Anfall mit einer Cocainisirg herausgeholfen.
Nicht verbürgen kann ich, daß ich nicht über
1-2 Tage für eine Ätzg oder Galv. kom̄e,
aber auch das ginge momentan nicht.
Am liebsten wäre mir, Du gingest darauf
ein, über das Thema Herz nichts mehr
wissen zu wollen.Ich freue mich jetzt Anspruch zu
haben, wieder u viel von Dir zu hören
u grüße Dich u Deine liebe Frau
herzlichst Dein Sigm
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
Berlin 10785
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