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S.
Wien, 27. 3. 99
Teuer WilhelmSo ist auch die zweite Woche von
den langen drei, die uns von
Ostern trennten, dahin
um nie wiederzukom̄en, u
eine behaglich kleine Zahl von
Tagen läßt sich bis zum Wiede-
sehen abwarten. Mela's Baby
ist kein Hindernis mehr, heute
ist warmer Wind eingetreten,
die Epidemien scheinen zurück-
halten, so wird wol alles
günstig. Ich reise Freitag abds
bin 9h 30 in Innsbruck, bestelle
Zimmer in der Sonne oder
im vornehmeren Tirolerhof
wie Du es willst, u hole Dich
zum Mittagessen ab, wenn
Du um 3/4 1h mit dem Express
ankom̄st. Dan̄ haben wir, u
das ist der einzige Schatten
knapp 48 Stunden für uns. Ich
könnte noch Dienstag zugeben,
Du kan̄st aber nicht wegen des
Schiffes in Genua. -
S.
Wenn ich Dich nur so wol finde
wie zuletzt in Baden. Deine
letzten Nachrichten haben mir
nicht gefallen. Eigentlich solltest
Du mit Deinen Nachbehandlungen
6 Monate lang in keimfreier
Luft zubringen!Ich bin allabendlich todtmüde
aber im̄er noch sehr erholungs-
fähig. Die paar Stunden Vorsprung
werden zur Folge haben, daß
ich Dich ganz frisch treffe.
Ob ich in diesen Tagen noch
die Kraft aufbringe, das für
Dich bestim̄te Material zu
ordnen, oder ob Du Dich wieder
mit Abgerissenem begnügen
mußt; – mir scheint das letztere.
watAber Du wirst mir wol
bestätigen, daß es in meinem
Dunkel seit dem Herbst zu
däm̄ern anfängt. Ich bin
aus mehreren Sackgassen heraus. -
S.
Dan̄ erweiterst Du mir wol auch
den Blick, daß ich wieder etwas
von Him̄el u Erde außer
dem Seelischen begreifen kann.
Ich habe es so nöthig.Mein kleines Annerl ist wieder
wol und auch die anderen
Thiere wachsen u weiden wieder
ordentlich. Mein Bruder hat einen
großen Schritt vorwärts gemacht;
er ist Mitbetheiligter an dem
Unternehmen geworden, dessen
Redakteur er bisher war.Das sind die wichtigsten Nachrichten
Du merkst wol, daß ich kaum
mehr schreiben kann. Ich warte
noch auf eine Karte von Dir
u dan̄ 0stercongreß in
Innsbruck!
Herzichst
Dein Sigm
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