• S.

    Wien 17.8.91

    Lieber spätschreibender Freud

    Endlich! Ich fürchtete schon es durch
    die Aphasie mit Ihnen verdorben
    zu haben; jetzt freu ich mich auf
    Ihre Anerken̄ung ebenso wie auf
    Ihren Widerspruch.

    Mein Leben läuft jetzt so. Die ganze
    Woche in Reichenau am Sem̄ering,
    Montag in Wien; Morgen beginne
    ich eine Tour ins Gesäuse u auf
    den Dachstein von 1 wöchiger
    Dauer, zu der ich Sie nicht laden
    kan̄, weil wir nicht allein wären.
    Nächsten Montag wieder in Wien, dan̄
    Reichenau usw bis 1 Septemberwoche.
    Von 8 Sept an werden wir wol in

  • S.

    Wien blieben müßen, um den
    Umzug in die neue Wohnung
    zu bewerkstelligen. (IX Bergstrasse 19).

    Nun geb' ich Sie keineswegs
    auf. Ich glaube nur, es dürfte sich
    heuer so machen, daß Sie mich irgendwo
    u wan̄ zwischen Ihre Freunde u
    Reisepläne einschieben u mir möglichst
    lang vorher mittheilen, Sie kämen
    nach Wien oder Reichenau. Die
    einzige Zeit, in welcher ich mich bewegen
    könnten, wäre nämlich die letzte Augustwoche,
    u auch da steh ich bei meienr
    vielfach gebundenen Existenz
    nicht für alle Möglichkeiten ein.
    Indeß schreiben Sie, machen Sie

  • S.

    Vorschläge u halten Sie an dem
    Einen fest, was ich gleich als Einziges
    fixiren will, daß wir uns auch
    heuer sehen u sprechen müüen.

    Mit herzl Gruß

    Ihr Sigm Freud

    Adresse von Son̄tag 22. Aug. an: Reichenau, NÖ
    oder Wien (auquo loco).