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S.
[Bei Schur veröffentlicht]
Wien 4. Mai 96
Teurer WilhelmIch wußte ja, warum Du nicht schreibst.
Deine determinirte Zeit war es auch noch.
Aber gestatte mir die Bemerkg, daß
es abscheulich ist: Wenn Du trotzdem soviel
neue Klärung gefunden hast, während
ich für die Terminwahrheit keinen Beitrag
leisten kann, so zeigt dieß nur wieder
einmal, wie schwer das Sehen außer für
den Seher ist.Mit Annerl's Zahn stim̄t es frappant.
Martha hatte die Periode aber am
28 März - 26 April, dazw 13 April deutl.
Nebenmenstr. beschwerden. Der Zahn kam
am 28 April, Martha pflegt ihre 28tägige
Periode hartnäckig zu vertheidigen.
Aus der Schwangerschaft ergiebt sich eine
29tägige u ich glaube mich zu erinnern,
daß ich sie ungezählte Male wegen
angeblicher Verspätgen zu trösten hatte.
Hier liegt also noch irgend ein Detail zu Grunde
das neu hinzuzufügen ist u sich hoffentlich
aus weiterer Beobachtung ergeben wird. -
S.
Ich arbeite in Psych wieder rüstig u einsam
weiter, kann Dir noch nichts halbwegs
fertiges schicken, wenn ich Ansprüche
an das Fertige noch so sehr herabstimme.
An die chemische Neurontheorie glaube
ich im̄er fester, hatte ähnliche Ausgangspunkte
wie Du sie genannt hast, sitze aber jetzt
jetzt auch fest, nachdem ich mir gestern
den Kopf dabei verdorben habe.Mit dem Bewussts fühle ich mich sicherer
u muß jetzt in der Hysterievorlesung
den Versuch machen, diese alleschwierig-
sten Dinge vorzutragen. Samstag
gab es einen Vortrag über Traum-
deutung vor der Jugend der jüdisch-
akad. Lesehalle, dessen Inhalt
Du auch einmal erfahren wirst.
Ich bin jetzt so darstellgsunlustig.Isolirt bin ich, daß Du zufrieden
sein kannst. Es sind irgend welche
Parolen ausgegeben worden, mich
zu verlassen, denn alles fällt ringsum
von mir ab. Bis jetzt trage ich es
mit Gleichmuth. Unangenehmer -
S.
empfinde ich, daß die Ordination heuer
zum ersten Male leer steht daß ich
wochenlang kein neues Gesicht sehe
keine neue Cur anknüpfen konnte
u daß von den alten noch keine
fertig ist. Die Sachen sind so schwer u
mühsam, daß im Ganzen eine starke
Constitution dazu gehört.Von der Eckstein, deren Geschichte ich notiere
so daß ich sie Dir schicken kann, weiß
ich bis jetzt, daß sie aus Sehnsucht geblutet hat.
Sie war von jeher Bluterin,
wenn sie sich schnitt udgl, litt als Kind
an heftigem Nasenbluten, bekam
in den Jahren vor der Periode Kopf-
schmerzen, die ihr als Simulation ausge-
legt wurden, die in Wahrheitvondurch Suggestion entstanden
einem
waren, u begrüßte darum die heftigen
Periodenblutgen mit Freude als
Beweis für die Echtheit ihres Krankseins
der ihr auch gelten gelassen wurde. -
S.
Sie hat eine Scene aus ihrem 15Jahr in der
sie plötzl Nasenbluten bekom̄t mit
dem Wunsch, von einem bestim̄ten dabei
anwesenden jungen Arzt (der auch im
Traum vorkom̄t) behandelt zu werden.
Als sie meine Ergriffenheit bei der ersten
Blutg unter Rosanes Händen sah, fand
sie einen alten Wunsch nach Liebe in
Kranksein verwirklicht, fühlte sich
die nächsten Stunden trotz ihrer Gefahr
so glücklich wie nie, bekam dann
im Sanat. nächtl. Unruhe aus der
unbew. Sehnsuchtsabsicht, mich hinzulocken
u als ich nachts nicht kam, erneuerte
sie die Blutg, als unfehlbares Mittel
meine Zärtlichkeit wieder zu wecken.
Sie hat 3 mal spontan geblutet
und jede Blutg hielt über 4 Tage an, was
eine Bedeutg haben muß. Details
u Termine ist sie mir noch schuldig.Sei mir Herzich gegrüßt u vergiß
nicht, mir zu schreiben, so oft Dein
Kopf es erlaubt.
Dein Sigm
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