• S.

    9.X.96.

    Theurer Wilhelm

    Martha reist wahrscheinlich Sonntag früh
    von hier ab u hofft die Nacht unter
    Eurem Dach ausruhen zu können.
    Genauere Ankündigg folgt nach
    Ein Unfall (Verstauchg der R Hand) der
    die alte Frau in Hambg getroffen hat,
    beschleunigt ihre Abreise von Wien u dem-
    entsprechend auch von Berlin nach Hambg.
    Auf der Rückreise will sie länger
    bei Euch verweilen.

    Mein Befinden hat sich nicht mehr
    recht gehoben werden, gerade die Herzbeschwerden
    spielen nicht die große Rolle, ich habe
    keinen Anlaß Dich um sofortige
    Behandlg zu bitten, zumal da eine
    Bschleunigg der Hochzeit damit
    nicht zu vereinen wäre. In der Johan̄esg
    geht alles seinen Weg. Rie ist
    besonnener, scheint mir, die Braut

  • S.

    macht einen besseren Eindruck; die
    Eltern setzen ihre Absicht auf ein
    Volksfest durch, der Aufschub wird
    als unausweichlich ausgegeben. Der
    Zustand meines Alten wird meine
    Theilnahme wahrscheinlich auf das
    Mindeste einschränken.

    Du weißt ich lache nicht über Phantasien
    wie die der historischen Perioden
    uzw weil ich keinen Grund dazu sehe.
    An diesen Einfällen ist etwas, es
    ist die symbolische Vorahnung unbe-
    kannter Realitäten, mit denen
    sie etwas gemein haben. Da dann
    nicht einmal die Organe die selben
    sind, kan̄ man sich der Anerken̄g
    him̄lischer Einflüße nicht mehr
    entziehen. Ich beuge mich vor Dir
    als Ehren-Astrolog.

    Dein Buch ist derzeit wol fertig, mit
    dem Fußtritt gegen meinen Verächter

  • S.

    meinst Du sicherlich keine Aktion.

    Ich bin mit meinen Curen jetzt sehr
    zufrieden; noch 1-2 J u ich kann
    die Sache in Formeln fassen, die
    jedem mitzutheilen sind. In vielen
    trüben Stunden hält mich diese
    Aussicht u die Befiedigg nu über das
    bereits Gewonnene hoch aufrecht.
    Das Ärztliche ist noch gar nicht lebhaft,
    ein Zusam̄entreffen mit Breuer bei
    einem seiner Pat. war ebenso
    komisch als unerfreulich. Nicht zu
    existiren mit ihm; leider sieht er auch
    recht schlecht aus.

    Die Rathlosigkeit, was man O. u M.
    schenken kan̄ war eine Zeit lang
    groß. Endlich haben wir uns entschieden,
    für ihn die Kinder photographiren
    zu lassen, die er sehr lieb hat
    und für sie eine Handarbeit
    aus dem Atelier meiner Scwester

  • S.

    für andere Geschenke sind sie uns
    zu reich. Die Beziehgen zwischen seiner
    Braut u seinen Geschwistern hat
    er leider sehr ungeschickt eingefädelt.

    Es sind jeder Liebe u Beachtg würdige
    Menschen, bes. die Schwester Ditha.

    Ich breche eher ab, als daß ich
    schließe, ich muß Kinderlähmgen
    schreiben. Meine Frau wird Deinem
    Hause in wenigen Stunden die
    herzlichsten Grüße bringen.

    Dein Sigm.

    P. S. Martha reist wahrscheinlich
    Sonntag früh Nordbahn, abds
    9 h (oder 1/29?) in Berlin.