• S.

    Dr. Sigm Freud
    IX., Berggasse 19.
    ord. 3-5 Uhr.

    30.XI.98
    Mein teurer Wilhelm

    Es ist sehr unvernünftig von mir, auch
    verstehe ich's nicht ganz; ich theile es Dir
    als Phänomen mit, daß ich offenbar böse
    auf Dich bin, weil es Dir schlecht
    geht. Ich möchte gerne die Operation tadelns-
    wert finden, kan̄ aber nicht, weil ich zu
    wenig davon verstehe, auch Dir mit der
    Raison wahrscheinlich Recht geben würde.
    Reiß mich also aus der lächerlichen Situation,

  • S.

    indem Du mir wahrheitsgetreu mittheilst,
    daß es Dir gut u im̄er besser geht. Zu Weih-
    nachten, wenn Du keinen besseren Besuch
    hast, will ich zu Dir kom̄en, aber harmlos
    ohne Manuscript, selbst ohne Wißbegierde 
    nur um zu sehen u zu plaudern. Wohnen
    kann ich bei der Schwester, was nicht weit
    von Dir ist. Wir sprechen dan̄ von besseren
    Zeiten, wenn wir wieder reisen können.

    Ich hoffe, Du hast verstanden, daß meine
    Furunkel nur als Dämpfer so heraus-
    gestrichen wurden.
    Herzlichste Grüße
    für Dich u Deine liebe Frau
    Sigm