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[Briefkopf III Berlin] 9. IV. 11.
Lieber Herr Professor,
Sie haben vermutlich schon von Jung über seinen Besuch in Berlin erfahren. Für mich war die Folge, daß ich vor einigen Tagen als Konsiliarius zu einem Falle in die Kraussche Klinik gerufen wurde. Ich hoffe, das ist der Anfang für den äußeren Fortschritt unsrer Sache hier im rauhen Norden! Nach Ostern werde ich versuchen, die Ärzte der Klinik privatissime ein wenig über die Psychoanalyse zu unterrichten. Das Interesse ist sicher bei einigen vorhanden. Für den Kongreß im Herbst habe ich nach Rücksprache mit den hiesigen Mitgliedern Weimar in Vorschlag gebracht und hoffe, daß Sie, ebenso wie Jung, zustimmen werden. Weimar liegt sehr günstig,
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d.h. es ist sowohl von Zürich als von Wien im direkten Schnellzug ohne Umsteigen erreichbar. (Wien-Aachener Schnellzug ohne Nachtfahrt.) Wir Berliner wären freilich etwas bevorzugt, würden aber das Arrangement übernehmen. Die Stadt als solche wird allen sympathisch sein. Voraussichtlich kann ich mich auch bald wegen der Versammlungs-Lokalität selbst orientieren; soviel ich weiß, ist alles Nötige vorhanden. Für den Fall, daß in nächster Zeit in Berlin Fortschritte erzielt würden, wäre ein für Norddeutschland so bequemer Ort besonders zu empfehlen. Inzwischen war ich einmal wieder bei Fließ, der mir eine Patientin zur Analyse überwies. Er hat sowohl die Analyse als mich der Patientin in sehr netter Weise empfohlen. Wissenschaftliches
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haben wir noch nicht wieder besprochen. Am Mittwoch, den 12. gehe ich auf kurze Zeit in die Ferien; ich bin sehr ruhebedürftig, da mich in den letzten Monaten die Praxis aufs äußerste in Anspruch genommen hat. Ich gehe nach Bad Schandau bei Dresden; am 18. April trifft sich die Ortsgruppe Berlin in Dresden zu einer Sitzung beim Kollegen Stegmann. Die Mitglieder in Thüringen haben dadurch Gelegenheit, sich zu beteiligen. Stekels Traumbuch habe ich noch nicht gelesen, finde es aber schon im voraus zu umfangreich im Vergleich zu dem Werk, auf dem es beruht. Ich verstehe nun aber, warum St. im letzten Zentralblatt die Swobodasche Plattheit über »geniale Nachschöpfungen« zitiert.
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Ich hoffe, die Gegensätze in der dortigen Gruppe haben sich wieder etwas ausgeglichen. Sollten Sie mir etwas mitzuteilen haben (etwa wegen Weimar, das ich wahrscheinlich passiere), so ist meine Adresse Hotel Forsthaus, Bad Schandau a/Elbe (vom 12.-18. April). Mit herzlichen Grüßen für Sie und die Ihrigen Ihr ergebener Abraham
Rankestraße 24
Berlin 10789
Duitsland
Berggasse 19
Wien 1090
Oostenryk
C15F4