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S.
[Briefkopf Wien] 20. III. 25
Lieber Freund!
Ihr Anerbieten hat mich zuerst sehr gefreut, in der Folge etwas verstimmt, was aber nicht Ihre Schuld ist, sondern meine. Ich finde es sehr sauer, Ihnen abzusagen und getraue mich nicht, Ihren Besuch anzunehmen, weil er Ihnen wahrscheinlich nur eine Enttäuschung bereiten würde. Ohne Ihrem berühmten Optimismus zu nahe zu treten, muß ich doch gestehen, daß ich nicht recht gebrauchsfähig bin. Von meiner großen, schwer überwundenen Neigung, Ihnen entgegen zu kommen, mag der Umstand zeugen, daß ich die Beantwortung meiner Tochter überlassen, ganz wie Sie es verlangt haben.
Mit herzlichsten Grüssen
Ihr FreudLieber Herr Doktor!
Papa sagt, daß Sie zu seiner Schonung Antwort durch mich -
S.
verlangt haben, aber den Anfang hat er doch selber geschrieben. Er hat sich, wie Ihr Brief gekommen ist, ganz besonders über Ihre Anfrage gefreut und seine Bedenken, ob er auch in den vier freien Ostertagen recht besuchsfähig sein wird, sind erst nachgekommen. Er wollte die Tage doch zum völligen verpflichtungslosen Ausruhen benutzen, weil er in den letzten Wochen viel gequält war und dem nie nachgeben konnte. Pichler will die Prothese endgültig »sanieren«, wie er sagt, und vorläufig leidet er darunter wie Österreich unter seiner Sanierung. Er sagt Ihnen das alles natürlich nicht gerne, und das ist sehr begreiflich. Aber ich
glaube, er hätte viel mehr von einem Sommerbesuch von Ihnen, wenn Sie den wieder möglich machen könnten. Oder ist es ein großes Opfer für Sie, von Ihrer schönen Schweiz auf unsern jetzt schon wieder gesicherten Semmering zu kommen?
Papa hofft, Sie werden nicht böse sein über seine wirklich so offene Antwort. Ich hätte mich auch sehr gefreut, Ihrer Frau Wien zeigen zu helfen. Dasselbe lassen die andern Familienmitglieder sagen.
Mit herzlichem Gruß und ich hoffe, Sie dafür wieder auf den Sonnwendstein führen zu können.
Ihre Anna Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Bismarckallee 14
Berlin - Grunewald 14193
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C15F2
- Schreibmaschine
- Zusatz in Freuds Hand
Zusatz Handschrift: Anna Freud