• S.

    21. Dez. 13
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Freund
    Ich reise also am Christabend ab,
    komme 8h 8 in Berlin, Anhalter
    Bahnhof an, begebe mich zur Herstellg
    in das gegenüber gelegene Excelsior
    Hotel u bitte Sie, ohne mich zu frühstücken.
    Ich habe dann zwei Wege in Berlin
    zu machen, zu Eitingon u zu meiner
    Schwester, die ich allein oder
    schon in Ihrer Gesellschaft machen
    kann, u hoffe, daß wir bis 3h Zeit
    für alle Gespräche finden werden.
    Zu Mittag bin ich sehr gerne Ihr
    Gast u freue mich, Ihre Frau wieder-
    zusehen u Ihre Kinder kennen zu
    lernen. Die Kleine ist ja seither groß
    geworden, ich nehme an – doch kein
    déjà vu –, daß ich sie flüchtig einmal
    gesehen habe. Sonntag 5 h fahre ich
    von Hamburg direkt zurück.
    Ihre Jungsche Kritik bringe ich mit
    nebst einer mehrschichtigen Kruste
    von Randglossen, mit denen Sie
    dann doch machen sollen, was
    Ihnen beliebt. Ebenso den Ent-

  • S.

    wurf der Materien fürs Jahrbuch von
    Hitschmann.
    Es bleibt mir nur übrig, Ihnen über
    die wenigen Tage schönstes Wohlbefinden
    zu wünschen.
    Ihr getreuer
    Freud