• S.

           [Eden Hotel, Rom]
           21. 9. 13

    Lieber Freund
    Vielen Dank für Ihre
    freundlichen Worte und
    guten Nachrichten, besonders
    für das Versprechen, unserer
    Zeitschrift zu dienen, die
    wir jetzt ganz mit eigenen
    Mitteln werden halten
    müssen.
    Ich habe in dem unvergleichlich
    schönen Rom bald Stimmung
    u Arbeitslust wiederge-
    funden, und in den freien
    Stunden zwischen Museen-,
    Kirchen- u Campagnabe
    suchen eine Vorrede

  • S.

    zum Buch über Totem u Tabu,
    eine Erweiterung des
    Vortrages auf dem Kon-
    greß und eine Skizze
    eines Aufsatzes über Nar-
    zissmus fertig gebracht,
    überdies eine Korrektur
    meines Reklameartikels
    für die Scientia. Meine
    Schwägerin, welche Ihre und
    Ihrer Frau Grüße ange
    legentlich erwidert,
    sorgt dafür, daß die
    eigentliche Romarbeit
    sich innerhalb mäßiger
    Grenzen halte. Sie selbst
    hat alle unvermeidlichen
    Strapazen unerwartet
    gut ertragen, u es ist
    schön anzusehen, wie sie

  • S.

    mit jedem Tag mehr in die
    Romschwärmerei und Behag-
    lichkeit hineinwächst.
    Von Maeder kam gestern
    ein nachträglicher Verehrungs-
    versicherungs-Brief mit
    angehängtem: hier stehe
    ich, ich kann nicht anders
    (was jedem ansteht, der etwas
    riskiert, aber wenig dem,
    der sich von einem Risiko
    zurückzieht). Er wird eine
    kühle, wenig eingehende
    Beantwortung finden.
    Die ganze römische
    Dekoration wird leider
    in acht Tagen bei Seite

  • S.

    gelegt und durch eine
    mehr nüchterne, vertrautere
    ersetzt werden.
    Ich grüße Sie herzlich
    u hoffe, von Ihnen und
    den Ihrigen fortlaufend
    Gutes zu hören,
    Ihr getreuer
    Freud