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S.
Karlsbad, 26. 7. 14.
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Gleichzeitig mit der Kriegserklärung,
die unseren friedlichen Kurort umwandelt,
trifft Ihr Brief ein, der endlich die be-
freiende Nachricht bringt. So sind wir
sie denn endgültig los, den brutalen
heiligen Jung u seine Nachbeter! Es
drängt mich, Ihnen jetzt für die große
Mühe, die außerordentliche, zielbewußte
Tätigkeit zu danken, mit der Sie mich
unterstützt und unsere gemeinsame
Sache geführt haben. Mein ganzes Leben
über bin ich auf der Suche nach Freunden,
die mich nicht ausbeuten und dann
verraten, u hoffentlich habe ich sie
jetzt, nicht mehr weit vom natürlichen
Ende desselben, gefunden.
Ich kann jetzt Ihren letzthin geäußerten
Wunsch erfüllen und mein Thema
mit Namen nennen: Gesichtspunkte
der ψa Technik. Ich bitte Sie, mich irgend-
wo hineinzustellen, wenn die Leute
schon wärmer geworden sind.
Es wird nicht schwer sein, die Absage-
motivierung der Schweizer mit -
S.
Rücksicht auf das Programm der Int. ψa V.
zu glossieren.
Natürlich läßt sich jetzt nicht vorhersagen,
ob die Zeitverhältnisse uns auch ge-
statten werden, den Kongreß abzuhalten.
Bleibt der Krieg auf den Balkan lokal-
isiert, so geht es ja. Aber von Russland
kann man ja nichts sagen.
Meine drei Söhne sind zum Glück nicht
betroffen. Zwei sind definitiv abge-
lehnt. Der dritte ist eben zum zweiten
Male zurückgestellt worden. Ich fühle
mich aber vielleicht zum ersten Mal
seit 30 Jahren als Österreicher u möchte
es noch einmal mit diesem wenig
hoffnungsvollen Reich versuchen.
Die Stimmung ist überall eine ausgezeichnete.
Das Befreiende der mutigen Tat, der
sichere Rückhalt an Deutschland
tut auch viel dazu. – Man beobachtet
an allen Leuten die echtesten Sym-
ptomhandlungen.
Ich wünsche Ihnen den ungetrübten
Genuß der wohlverdienten Ferien
Ihr herzlich ergebener
Freud
Villa Fasolt / Villa Schlossberg
Karlovy Vary 36001
Czechia
Rankestraße 24
Berlin 10789
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