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S.
1. 6. 13
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Entschuldigen Sie meine Verspätung
durch höchste Inanspruchnahme in arger
Hitze.
Das Hotel in Noordwijk war eigentlich gut,
alle kleinen Mahlzeiten reichlich: Butter,
Käse, Getränke etc., die großen, Fleisch-
speisen, Gemüse grob holländisch, im Grunde
nicht genießbar. Verpflegung soll auch im
großen Hotel Huislerdum nicht gut sein.
Unser Haus hieß Pension Noordzee, Besitzer
van Beelen.
Von Frau Dr. Stegmann weiß ich nicht viel,
kann mir denken, daß sie nichts hat.
Einmengung in die Ehescheidung, wie sie
mir bereits aufgedrängt worden ist, sehr
unerquicklich!
Daß wir uns in München einen Tag vor
dem Kongreß treffen wollen, werden
Sie jetzt schon wissen (Samstag 6. 9. früh).
Jung ist verrückt, aber ich lege es nicht
auf Trennung an, möchte ihn erst
abwirtschaften lassen. Vielleicht daß
meine Totemarbeit gegen meinen
Willen den Bruch beschleunigt. -
S.
Die Fahnen erhalten Sie natürlich sofort
(von Mitte d.M. an), wenn ich sie habe.
Mittwoch trage ich die Arbeit im Verein
vor; ich bin jetzt in starken Zweifeln
darüber, Reaktion nach der Begeisterung.
Jones reist heute zu Ferenczi, um sich
2 Monate lang analysieren zu lassen.
Ich freue mich daran zu denken, daß
Ihre Ehe beweist, ψA müsse nicht notwendig
zur Ehescheidung führen.
Bleuler hat sich schön zurückentwickelt. Ich
vermute, letzte Motive waren die ψa Arbeiten
über die Synästhesien, die großartigen
Widerstand bei ihm geweckt haben (s.
Zeitsch. f. Psychologie, letztes Heft). Vielleicht
ein Beweis, daß Pfister und die
Hug in dieser Sache wirklich Recht
haben.Herzlichen Gruß für Sie
u Ihre liebe Frau
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Rankestraße 24
Berlin 10789
Germany
C14F26