• S.

    24. 4. 14.
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Freund
    Sie waren gewiß ebenso erstaunt
    wie ich darüber, wie sorgsam Jung
    unsere Geschäfte erledigt. Unsere Zurück-
    haltung hat jetzt doch Früchte getragen;
    irgendwie werden wir ihn, vielleicht
    die Schweizer übhpt los sein.
    Ich habe sofort den Einberufer der Ob-
    männer-Konferenz agiert u bei Rank
    ein Rundschreiben bestellt, welches
    eine Entscheidg auf schriftlichen Wege
    mit Ersparung einer Reise ermöglichen
    soll. Der Schritt vollzieht sich zweizeitig,
    zuerst bei den Freunden, u erst wenn
    diese einverstanden sind, in offizieller
    Weise alle Obmänner (d.h.: zwei mehr).
    Ich bitte Sie, den Vorschlag, der Ihnen
    die Leitung bis zum Kongreß zu-
    weisen will, zu unterstützen.
    Zu den Sommerplänen: Wir haben so gut
    wie endgültig mit Annenheim abge-
    schlossen. Vorbehalt wegen des hohen
    Preises, 15 K pro Tag und Person, der
    allerdings gewählte Gesellschaft u gute

  • S.

    Verpflegung garantiert. Eine Familie würde
    natürlich andere Bedingungen finden.
    Wir haben 3 Personen 3 Zimmer. Nach
    meiner Erfahrung u meinen Vorurteilen
    ist warmes Wasser u laue Luft für
    Kinder weit vorteilhafter als eine
    extreme Höhe (See natürlich beiseite);
    Wolkenstein kenne ich aus persönlicher Be-
    kanntschaft. Es ist herrlich, das Edelweiß
    wächst im Längstal auf der Straße,
    aber die Unterkunft ist nicht leicht
    zu haben, und der Aufenthalt nicht gut
    über 2-3 Wochen auszudehnen. Das Wetter
    ist weit entfernt von Konstanz, (nicht a.B) und
    wenn es nicht schön ist, friert man
    erbärmlich, wie wir sehr wohl erinnern.
    Ich lege Ihnen diese Erwägungen
    vor, ohne Sie entscheidend beein-
    flussen zu wollen; ich weiß, wie
    schwierig das Sommerproblem ist.
    Freue mich zu hören, daß Ihre Kleinen
    die pflichtschuldigen Masern so leicht
    abgemacht haben; bei den unsrigen
    war der überflüssige Keuchhusten
    gar nicht so leicht, ist aber im Abziehen.

  • S.

    Ich habe Brioni sehr genossen,
    aber schon dort mit uner-
    kanntem Unwohlsein ge-
    kämpft, welches hier als
    schwere Tracheitis-Laryngitis
    ausgebrochen ist. Ich bin noch
    keineswegs wohl u besonders
    geistig ganz inaktiv. Viel-
    leicht liegt einem auch der
    berauschende Frühling
    schwer in den Gliedern.
    Hitschmann findet das Jahrbuch
    bereits überkomplett, so
    haben Rank u Sachs ihren
    Beitrag zurückgezogen.
    Sadger kann man wohl
    annehmen u auf Vorrat
    liegen lassen.

  • S.

    In der letzten Woche sprach
    ich zwei Mitglieder der
    amerik. Gruppe von
    Ward’s Island (der ernst-
    haftesten), die versicherten,
    daß Jungs‘ Einfluß bei ihnen
    gar nicht bedeutend sei.
    Es scheint, daß er nur
    an dem Gauner Jelliffe
    eine feste Stütze hat.
    Mit herzlichem Gruß
    für Sie u Ihre liebe
    Frau u frohen Wünschen
    zur neuen junglosen
    Ära
    Ihr Freud