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    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Freund
    Vielen Dank für Ihre guten Nachrichten. Die Übersetzungen ins Englische und Russische haben mich sehr gefreut. Weniger Ihre Berichte vom Hause, aber es geht doch zum Glück nicht über das hinaus, worauf man vorbereitet ist.
    Auf Ihren Amenhotep wartet die Imago mit Spannung. Wollen Sie nicht ein Porträt des interessanten Königs dazu geben? - Frau L. A. Salomé wird uns kraft Ihrer Empfehlung sehr willkommen sein, sie soll Jung eine Arbeit fürs Jahrbuch geschickt haben, die auch mir zur Lektüre versprochen ist.
    Imago wird in der Tat zumeist sympathisch aufgenommen, nur in Wien ist das Interesse geringfügig. Am Zentralblatt gibt es jetzt einige Neuerungen: Sprechsaal und ’Kinderecke’ werden aktiviert, ersterer zum Meinungsaustausch

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    und zur internen Kritik. Ihr ’Todesbrautzeremoniell’ ist köstlich und in vielen Hinsichten überwältigend. Der Vater und der Tod werden mit Recht identifiziert, denn der Vater ist ein Toter und der Tod selbst ist - nach Kleinpaul - nur ein Toter. Es wird den Toten allgemein zugemutet, daß sie sich die ihrigen nachholen.
    Im Verein hatten wir gestern Referat über die letzten 2 Nummern des Zentralblattes und werden unsere psychoanalytische Literatur regelmäßig zum Gegenstand der Diskussion nehmen. Ihr Melancholieaufsatz wurde von Federn sehr verständig kritisiert, mir hat dann allerlei gedämmert, was weiter führt. Wir stehen da noch ganz am Anfang.
    Im Hause geht es gut, aber ich bin recht überarbeitet, d. h. blöde und komme mit der Tabuarbeit sehr schlecht vorwärts. Der ’Totem’ muß da noch lange warten.
    Mit herzlichen Grüßen und Genesungswünschen für Frau und Kinder
    Ihr getreuer Freud