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    INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FÜR
    ÄRTLICHE PSYCHOANALYSE
    HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR DR SIGM. FREUD
           Wien, am 13. Mai 1913

    Lieber Freund
    Die Totemarbeit ist fertig, bis auf Korrekturen
    und Nachträge aus der Literatur. Am 15 Juni
    soll sie in Druck kommen, die Fahnen
    schicke ich Ihnen dann, sobald ich sie habe.
    Vor dem Kongreß, im Augustheft der
    Imago soll die Sache erscheinen u dazu
    dienen, alles was arisch-religiös ist, reinlich
    abzuscheiden. Das wird nämlich die Folge
    davon sein.
    Mit Ihrer Vortragsabsicht und Ihren wirtschaft-
    lichen Reformen bin ich sehr einverstanden.
    Ihre Habilitation erscheint mir jetzt besonders
    wichtig; wo wir mit dem Abfall von Zürich
    u München zu rechnen haben, wäre
    nur eine Schule in Berlin der richtige
    Ersatz.
    Bei aller Ambivalenz zeigt sich in Bleulers
    Elaborat deutlich die regressive Strömung.
    Er akzeptiert ja weit weniger als vor zwei
    Jahren. Früher pflegte er auch die
    Bescheidenheitsfloskel hinzuzusetzen, er habe

  • S.

    so oft, wenn er mir widersprach, später erfahren,
    daß ich Recht hatte, daß usw. . . .
    Unsere Sommerpläne: 14. Juli bis 10. (oder 12.) Aug
    – Marienbad, dann bis zum Kongreß
    S. Martino di Castrozza in Südtirol. Stand
    die letztere Gegend nicht auch auf Ihrem
    Programm?
    Ich habe mit großer Befriedigung erfahren, daß
    Sie mit Rank über unsere Angelegen-
    heiten korrespondieren. Ich bin politisch
    lahmgelegt und sehe alles Heil für die
    ψA, wie wir sie verstehen, in der Ver-
    einigung der 4-5 Männer, zu der Sie sich
    zu zählen scheinen, die mir am nächsten
    stehen.
    Herzlichen Gruß an Sie u Ihre
    liebe Frau  von Ihrem getreuen
    Freud